ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE. — Sterblichkeitslisten. 491
Durchschnittsalter der Lebenden. EineVerbesserung bei den neueren Volks
zählungen besteht darin, dass von jedem Individuum nach seiner oder seiner
Angehörigen Angabe das Alter, in dem es sich befindet, verzeichnet wird. Es
hat sich zwar gezeigt, dass diese Angaben nicht mit hinreichender Genauig
keit erfolgen und dass namentlich die runden Alterszahlen eine eigenthümliche
Anziehungskraft ausüben, so dass die Alter von 20, 25, 30 etc. Jahren in der
Regel viel reicher besetzt erscheinen, als die anstossenden Alter von 19, 26,
29, 31 etc. Jahren. Ist es daher auch nicht möglich gewesen, eine von Alters
stufe zu Altersstufe fortschreitende Bevölkerungsliste, welche man als völlig
richtig hätte ansehen können, aufzustellen, so ergab doch die Beobachtung,
dass jene Unrichtigkeiten gewisse mässige Grenzen nicht überschreiten und
dass es wenigstens möglich ist, nach diesen Erhebungen Altersclassen von
5 zu 5 Jahren und selbst für kürzere Zeitabschnitte mit annähernder Richtig
keit zu bilden. *) Aus solchen Tabellen hat man das Durchschnittsalter, wa
ches der lebenden Bevölkerung eigen ist, abgeleitet. Man hat dazu nur nöthig,
die Summe der Alter aller Lebenden einer Bevölkerung mit der Bevölkerungs
zahl zu dividiren. Es betrug dieses Durchschnittsalter der Lebenden nach
"VVappaeus (Bd. 11. S. 76) für
Frankreich (1851)
Belgien (1846). .
Kirchenstaat (1853)
Dänemark (1845).
Holland (1849) .
Schleswig (1815) .
Schweden (1850) .
Norwegen (1855).
31,06 Jahre Sardinien (1838) . .
28,63 - Grossbritanien (1851)
28,16 - Holstein (1845) . . .
27,85 - Irland (1841) . . . .
27,76 - die Vereinigten Staaten
27,74 - (1850) . . . . .
27,66 - Untercanada (1852) . .
27,53 - Obercanada (1852) . .
27.22 Jahre
26,56 -
26,52 -
25,32 -
23,10 -
21,86 -
21.23 -
Für das Königreich Sachsen (1852) berechnet Engel das Durchschnitts
alter der Lebenden auf 27,25 Jahre und für l’reussen schlägt er es nach appro
ximativer Schätzung auf 27,50 Jahre an.
Zwischen obigen Ländern findet eine höchst frappante Verschiedenheit
statt. Die Differenz der beiden Extreme von Frankreich, welches das höchste
Durchschnittsalter von 31,06 Jahren aufweist, und Obercanada, dessen Be
völkerung nur ein Durchschnittsalter von 21,23 Jahren hat, beträgt fast
10 Jahre, das ist fast ein Drittel des Satzes für die erstere und fast die
Hälfte des Satzes für die letztere Bevölkerung. Diese Verschiedenheit be
ruht in der Verschiedenheit der Frequenz der einzelnen Altersclassen und
letztere ist hauptsächlich wiederum eine Folge der Verschiedenheit des Ge
burtsverhältnisses. In Ländern, wie die amerikanischen, mit starker Repro
duction sind die jüngeren Alter verhältnissmässig viel zahlreicher besetzt, als
in Ländern mit schwacher Reproduction, wie Frankreich, wodurch sich na
türlich für jene das Durchschnittsalter der Bevölkerung niedriger als für diese
stellen muss. Es vertheilt sich in obigen Ländern die Bevölkerung auf die
verschiedenen Altersclassen in folgender Weise. Von 10,000 Lebenden kom
men nach Wappaeus (Bd. II. N. 44 und 45) in den verschiedenen nachverzeich-
neten Ländern auf die
*) Das nächste Ziel muss aber doch die Herstellung von Listen nach den
einzelnen Jahren sein, wie v. Hermann deren im 9. Hefte der »Beiträge
zur Statistik von Bayern« aufzustellen begonnen hat, wodurch eine Klar
heit erzielt wird, die bei dem Zusammenlassen der Altersgenossen von je
5 oder gar 10 Jahren durchaus fehlt. Zur Erlangung richtigerer Resultate
dürfte es nicht wenig beitragen, wenn bei den Volkszählungen die Trage ge
stellt würde : »in welchem Jahre und Monate ist jede Person geboren?« statt:
»wie viel Jahre zählt dieselbe?« Dadurch würde schon die wesentliche Ver
schiedenheit beseitigt, dass die Einen das angetretene, die Anderen das be
reits zurückgelegte Jahr angeben. Allerdings bedarf es daneben möglichst
genauer Ein- und Auswanderungs-, ganz besonders aber — genauer Sterb
listen. Kolb.