Object: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

— 208 — 
unverhohlener Verachtung. Als er gefragt wurde, warum er 
so eigenmächtig seine Züge verhindert habe, über den Fluß 
zu fahren, lächelte der alte Fuchs grimmig und zeigte ihnen 
zu ihrer äußersten Überraschung ein altes Gesetz (das bis 
dahin ein toter Buchstabe gewesen war), das der Hudson 
River-Eisenbahn verbot, über den Hudson hinüberzu- 
fahren. Dies Gesetz war auf eine Anregung der New 
Yorker Zentraleisenbahn zurückzuführen, die westlich von 
Albany keinen Konkurrenten haben wollte. Als die Kom- 
mission sich von ihrem Staunen erholt hatte, fragte ihr 
Vorsitzender schüchtern, warum Vanderbilt die Züge nicht 
bis an den Fluß habe gehen lassen. 
„Ich war nicht da, meine Herren“, sagte Vanderbilt, 
„Aber was taten Sie, als Sie es erfuhren ?“ 
„Nichts.“ 
„Warum nicht? Wo waren Sie?“ 
„Ich war zu Hause, meine Herren,“ antwortete Vander- 
5ilt in aller Seelenruhe, „und spielte eine Partie Whist, und 
wenn ich Whist spiele, lasse ich mich von nichts stören. 
Dabei ist, wie Sie wissen, ungeteilte Aufmerksamkeit nötig.“ 
Wie Vanderbilt vorausgesehen hatte, fielen die Aktien der 
New Yorker Zentraleisenbahn rapid; als sie nicht tiefer fallen 
konnten, kaufte er große Mengen davon auf. Seine Gegner, 
Edward Cunard, John Jacob Astor, John Steward und 
andere Aktionäre der New Yorker Zentraleisenbahn, sahen auf 
diese Weise das Direktorium ihren Händen entwunden. Mit 
ihnen geschah das gleiche, was sie gegen die Pruyns, Martins, 
Pages und andere ins Werk gesetzt hatten. Sie fanden in 
diesem 73jährigen Manne einen Gegner, der zu schlau und 
zu machtvoll war, um ihn vernichten zu können. Um nicht 
alles zu verlieren, zogen sie es vor, ihn zum Direktor zu 
wählen; ihm waren Fähigkeiten eigen, gegen die sie nicht 
aufkommen konnten und denen sie sich unterwerfen mußten. 
Am 12. November 1867 ergaben sie sich gänzlich und 
bedingungslos. Vanderbilt berief jetzt seinen eigenen Stab 
von Direktoren und nahm einen neuen Raubzug in Angriff, 
gegen den alle bisherigen verhältnismäßig unbedeutend 
waren.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.