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unverhohlener Verachtung. Als er gefragt wurde, warum er
so eigenmächtig seine Züge verhindert habe, über den Fluß
zu fahren, lächelte der alte Fuchs grimmig und zeigte ihnen
zu ihrer äußersten Überraschung ein altes Gesetz (das bis
dahin ein toter Buchstabe gewesen war), das der Hudson
River-Eisenbahn verbot, über den Hudson hinüberzu-
fahren. Dies Gesetz war auf eine Anregung der New
Yorker Zentraleisenbahn zurückzuführen, die westlich von
Albany keinen Konkurrenten haben wollte. Als die Kom-
mission sich von ihrem Staunen erholt hatte, fragte ihr
Vorsitzender schüchtern, warum Vanderbilt die Züge nicht
bis an den Fluß habe gehen lassen.
„Ich war nicht da, meine Herren“, sagte Vanderbilt,
„Aber was taten Sie, als Sie es erfuhren ?“
„Nichts.“
„Warum nicht? Wo waren Sie?“
„Ich war zu Hause, meine Herren,“ antwortete Vander-
5ilt in aller Seelenruhe, „und spielte eine Partie Whist, und
wenn ich Whist spiele, lasse ich mich von nichts stören.
Dabei ist, wie Sie wissen, ungeteilte Aufmerksamkeit nötig.“
Wie Vanderbilt vorausgesehen hatte, fielen die Aktien der
New Yorker Zentraleisenbahn rapid; als sie nicht tiefer fallen
konnten, kaufte er große Mengen davon auf. Seine Gegner,
Edward Cunard, John Jacob Astor, John Steward und
andere Aktionäre der New Yorker Zentraleisenbahn, sahen auf
diese Weise das Direktorium ihren Händen entwunden. Mit
ihnen geschah das gleiche, was sie gegen die Pruyns, Martins,
Pages und andere ins Werk gesetzt hatten. Sie fanden in
diesem 73jährigen Manne einen Gegner, der zu schlau und
zu machtvoll war, um ihn vernichten zu können. Um nicht
alles zu verlieren, zogen sie es vor, ihn zum Direktor zu
wählen; ihm waren Fähigkeiten eigen, gegen die sie nicht
aufkommen konnten und denen sie sich unterwerfen mußten.
Am 12. November 1867 ergaben sie sich gänzlich und
bedingungslos. Vanderbilt berief jetzt seinen eigenen Stab
von Direktoren und nahm einen neuen Raubzug in Angriff,
gegen den alle bisherigen verhältnismäßig unbedeutend
waren.