Full text: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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gerührt und bewegt durch die Haltung, Art und Rede des ritterlichen 
Mannes in mein eignes Kämmerlein und mußte grübeln über eine An— 
wandlung von Erinnerungen, wo mir eben die Menschen und Dinge der 
Erinnerungen nicht kommen wollten. Diese Anwandlung von Erinne— 
rungen und Ähnlichkeiten und meine Grübelei nahm die folgenden Tage 
noch zu, bis ich es einmal plötzlich hatte und rufen mußte: Fichte! 
Ja mein Fichte, mein alter Fichte war es fast leibhaftig: dieselbe ge— 
drungene Gestalt, dieselbe Stirn, die auch bei Fichte zuweilen recht hell 
und freundlich glänzen konnte, dieselbe mächtige Nase bei beiden. Beide 
konnten freundlich sein, Stein noch viel freundlicher als Fichte; in 
beiden ein tiefer Ernst und zuweilen auch eine schreckliche Furchtbarkeit 
des Blickes, der bei dem Sohn des deutschen Ritters gelegentlich doch 
viel schrecklicher war als bei dem Sohn des armen lausitzer Webers. 
Der Freiherr Karl von Stein war mittlerer Größe, dem Kurzen 
(ein rechter Kurzbold) und Gedrungenen näher als dem Hohen und 
Schlanken, der Leib stark und mit breiten, deutschen Schultern, Beine 
und Schenkel wohl gerundet, die Füße mit scharfer Rist, alles zugleich 
stark und fein wie von altem Geschlecht, dessen er war; seine Stellung 
wie sein Schritt fest und gleich. Auf diesem Leibe ruhte ein stattliches 
Haupt, eine breite Stirne, wie die Künstler sagen, daß der große Mann 
sie häufig haben solle; seine Nase, eine mächtige Adlernase, unter ihr ein 
feingeschlossener Mund und ein Kinn, das wirklich ein wenig zu lang 
und zu spitz war. 
Hierbei sei ein für allemal gesagt und zwar gegen diejenigen, welche 
immer mit der feinsten, weißen Haut und den silberklarsten, blauen Augen 
als dem Urstempel des edelsten Menschen und dem echtesten Geniezeichen 
herankommen, daß die beiden größten Deutschen des 19. Jahrhunderts, 
Goethe und Stein, aus braunen Augen die Welt anschauten, mit dem 
Unterschiede, daß das Goethische Auge breit und offen meist im milden 
Glanze um sich und auf die Menschen herabschaute, das Steinsche, kleiner 
und schärfer, mehr funkelte als leuchtete und oft auch sehr blitzte. In der 
Regel sprach dieses Auge Freundlichkeit und Treue, aber wenn der Mann 
in sehr ernster oder gar, wenn er in zorniger Stimmung war, konnte 
es auch fürchterlich blitzen. Das war das Besondere bei dem edlen Ritter, 
daß sich auch bei der heftigsten Seelenbewegung auf seinem Gesichte gleich— 
sam zwei verschiedene Menschen abspiegelten. Seine Stirn, meistens auch 
sein Blick, wurden von dem Nebelgewölk des Verdrusses oder vollends 
von den düstern Donnerwolken des Zorns selten überzogen, dort leuchtete 
fast immer der klare, heitre Olymp eines herrschenden, bewußten Geistes; 
unten aber, um Wangen, Mund und Kinn, zuckten die heftigen empörten 
Triebe, die wohl an einen Löwengrimm mahnen konnten. Fast immer 
trat er die Menschen, auch die gewöhnlichen, die nur Gewöhnliches zu 
bringen und vorzutragen hatten, mit sehr freundlichem Ernst an, aber
	        
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