Full text : Grundsätze der Volkswirtschaftslehre

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I.  Buch.  Production  und  Consumilo».

Wägungen  auf.  Zunächst  ist  es  merkwürdig,  daß  sich  die  Geschichte  vieler
der  wichtigsten  Erfindungen,  z.  B.  diejenige  der  Zähmung  der  Hausthiere
und  des  Kornbaues,  ins  graue  Alterthum  verliert.  Dann  fällt  es  zweitens
auf,  daß  gewiste  Erfindungen,  welche  für  gewisse  Oertlichkeiten  von  höchstem
Werthe  sind,  für  andere  nur  geringen  oder  gar  keinen  Werth  besitzen.  So
waren  die  Zähmung  des  Kameles  durch  die  Babylonier  sowie  die  Erfindung
der  Kunst,  aus  den  Früchten  der  Dattelpalme  ein  süßes,  angenehmes  Nahrungsmittel ­
  zu  machen,  für  die  Gegenden  Syriens,  Arabiens  und  Nordafrikas  von
der  höchsten  Bedeutung,  für  Europa  und  Hindostán  hingegen  werthlos.  Drittens
sind  gewisse,  weiter  Verbreitung  fähige  Erfindungen  factisch  jahrhundertelang
auf  gewisse  Länder  beschränkt  geblieben.  So  waren  die  artesischen  Brunnen
seit  undenklichen  Zeiten  in  China  bekannt,  in  Europa  sind  sie  dagegen  neuer
Erfindung.  Viertens  ist  es  oftmals  vorgekonunen,  daß  ein  technischer  Rückschritt ­
  eintrat,  und  daß  Kunstfertigkeiten  verloren  gingen,  ohne  daß  sie  wieder
erfunden  worden  wären.  So  beweisen  gewiste  in  Pompeji  gemachten  Funde,
daß  die  alten  Römer  vieles  kannten,  was  wir  bis  vor  kurzem  für  neue  Erfindungen ­
  hielten,  z.  B.  ein  Speculum  mit  vier  Flügeln.  Die  Aegypter  vermochten ­
  einen  Sandstein-Monolith,  der  über  100  Tonnen  wog,  zu  heben  und
ihn  wieder  zum  Stehen  zu  bringen,  ohne  daß  wir  wüßten,  wie  sie  das  fertig
brachten.  Der  Cement  der  großen  unterirdischen  Cisternen  von  Konstantinopel,
welche  aus  den  ersten  Zeiten  des  byzantinischen  Kaiserthums  stammen,  hat
bis  auf  unsere  Tage  keine  Reparatur  benöthigt,  und  wir  haben  keine  Kunde
mehr  von  dem  Verfahren,  welches  so  außerordentliche  Resultate  erzielt  hat.
Fünftens  besitzen  wir  aus  den  Zeiten  vor  der  Mitte  des  18.  Jahrhunderts
keine  Nachrichten  von  einer  Periode,  welche  als  Periode  technischer  Umwälzungen
bezeichnet  werden  könnte;  möglicherweise  gibt  uns  einmal  die  Paläontologie
Aufschlüsse  über  eine  solche.  Es  ist  denkbar,  daß  die  Cultur  des  Weines  und
des  Oelbaums,  die  Zähmung  des  Pferdes,  des  Rindes,  des  Geflügels  und
sonstiger  Hausthiere,  die  Woll-  und  Leinweberei,  der  Gebrauch  metallener
Geräthe  Fortschritte  waren,  die  sich  innerhalb  eines  Jahrhunderts  in  diesem
oder  jenem  Lande  vollzogen;  bis  jetzt  aber  haben  wir  keine  Kunde  davon,
daß  das  in  Wirklichkeit  der  Fall  war.  Endlich  können  wir  mit  Fug  und
Recht  behaupten,  daß  bis  um  das  Jahr  1750  die  Manufacturanlagen,  der
Gewerbebetrieb,  die  Art  und  Weise  des  Personen-  und  Gütertransports,  und
wenn  auch  nicht  die  Arten  der  angebauten  Gewächse,  so  doch  die  Methoden
ihres  Anbaues  in  Europa  sich  viel  mehr  auf  dem  Niveau  der  griechischen  und
der  römischen  Civilisation,  wie  sie  sich  vor  zwei  Jahrtausenden  entwickelt  hatte,
als  auf  dem  gegenwärtig  erreichten  befanden.  Während  der  ersten  siebzehn
Jahrhunderte  der  christlichen  Zeitrechnung  waren  die  nützlichsten  technischen
Erfindungen,  die  in  dieser  Periode  gemacht  worden  find,  vielleicht  die  neuen
            
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