228
DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
voll heller Schadenfreude. Warum gereizt und wütend, kann jeder sich
selbst ausmalen, auch wenn er kein Maler ist, dem schon mal ein polizei-
liches Strafmandat ins Haus flatterte. Die Schadenfreude muß ich näher
erklären.
Der pflichteifrige Mann soll in seiner Anzeige behauptet haben, daß
Herr Schulze den Auspuff seines Autos widerrechtlich an jenem vor-
erwähnten Platz geöffnet habe. Dieses Unrecht habe buchstäblich zum
Himmel gestunken. Nun behauptet Herr Schulze aber in seiner ‚hellen
Schadenfreude, daß sein Auto gar keinen Auspuff habe, Es habe nur So
ganz allgemein gestunken, wie es die Pflicht jedes, Benzin oder Benzol
verzehrenden Autos sei, das etwas auf sich hält. Die überempfindliche
Nase des Polizisten sei also ganz gründlich hereingefallen,
Nun stellte Herr Schulze ein Ultimatum, Entweder sorge der Kur-
direktor dafür, daß das Strafprotokoll von der Polizei fallen gelassen
werde, oder Herr Schulze werde zu Reparationen greifen und seine
Stimme so laut und vernehmlich erschallen lassen, wie einst der Trom-
peter von Jericho seine Posaune. Auf daß alle Automobil-Klubs, die Auto-
mobil-Presse und alle Herrn Schulze nahestehenden Kreise es hören
können, wie sträflichmandatlich in. Frohwinkel die ahnungslosen und
unschuldigen Automobilisten behandelt werden. Der Ort werde dann
schon sehen! Was? Wahrscheinlich wie seine Mauern von Herrn Schulzes
Posaune einstürzen.
Herr Schulze, Herr Schulze! Sie sind einem naiven Kurdirektorgemüt
ein psychologisches Rätsel. Wäre ich glücklicher Besitzer eines Auto-
mobils, das die löbliche Kunst versteht, auch ohne Auspuff zu stinken,
ich würde mit Freuden in meinen dann sicher reichgefüllten Beutel
greifen und die paar Mark Strafe bezahlen. Die wäre mir das Vergnügen,
die Nasen meiner Mitmenschen mit Wohlgerüchen zu erfreuen und ihre
guten Sonntagskleider in Staub und Schmutz zu hüllen, unter allen Um-
ständen wert.
Nun ist Ihnen der Kurdirektor ernstlich böse, Herr Schulze, obwohl
er Sie gar nicht kennt, denn Sie haben ihm Ihre Beschwerde todesmutig,
wie so viele Ihrer Gesinnungsgenossen, erst nach Ihrer Abreise in seine
friedliche Klause geschleudert. Ihn haben Sie damit in einen Zwiespalt
der Seele geschleudert und seinen einfachschlichten Menschenverstand
vor ein grausiges Dilemma gestellt. Es kommen nämlich tagtäglich zahl-
reiche Beschwerden zu ihm. die das genaue Gegenteil Ihrer Beschwerde
sind.
Viele Tausende von Fußgängern, die sich an den Schönheiten unseres
Kurortes erfreuen möchten, würden in ihrer Freude empfindlich gestört,
so sagen diese Beschwerdeführer, weil die verhältnismäßig — im Ver-
hältnis zu den Fußgängern — kleine Anzahl der Auto- und Motorrad-
besitzer liebliche Düfte und angenehme Staubwolken und herzerfreuende
Dreckspritzer gleichmäßig und freigebig über alles ausstreuen. was da
kreucht.
Herr Schulze. Es ist nicht bekannt, ob Sie ein weiser Salomo sind.
Nach Ihrem Brief, heutige Beschwerde Nr. 7, scheint es nicht der Fall zu
sein. Aber trotzdem werden Sie eingeladen, den Kurdirektorsessel einzu-
nehmen und das Dilemma zu lösen, in das Sie den Kurdirektor gestürzt