Object: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Absatzorganisationen eine bemerkenswerte Höhe erreicht hat, seien 
hier‘ genannt: das 12000 Morgen große Mustergut des. Herrn 
Schurig-Zeestow — 5000 Morgen Flachs mit Flachsfabrik, 
3500 Morgen Gemüse, 2000 Morgen Rüben etc.! —; die Aktiengesell- 
schaft Gut Bütowin Mecklenburg, die 15 000 Brote täglich 
liefert; das Gut Blunk in Popiollen, Ostpreußen, mit 
Ställen für 2000 Schweine. In allen drei Gütern ist die Mechani- 
sierung der Arbeiten, einschließlich der Fütterung, des Melkens etc, 
auf den Höchstpunkt der heutigen Technik gebracht. Feldbahnen, 
laufendes Band — zur Getreidelagerung, Heranbringen des zu- 
bereiteten Futters —, maschinelle Stallreinigung und Weiter- 
verarbeitung der Produkte an Ort und Stelle, eigene Absatzorgani- 
sationen, alles ist vorhanden, Und was vom kapitalistischen Stand- 
punkt aus entscheidend ist: die Güter arbeiten rentabel, die Leistung 
pro Kopf des Arbeiters ist gewaltig gesteigert, 
N Zusammenschlukbestrebungen 
Aber die Rationalisierung macht nicht Halt. bei dem Einzelbetrieb, 
Die Unternehmungsformen ändern sich. An Stelle des Einzelunter- 
nehmers treten Aktiengesellschaften, Interessengemeinschaften, 
Konzerne. Bereits am 31. Oktober 1926 bestanden in Deutschland 
84 land- und forstwirtschaftliche Aktiengesell- 
Schaften mit 77 Millionen Mark Kapital, davon waren 11 mit 
27 Millionen Mark Kapital in Konzernen vereinigt. 
Die Frage landwirtschaftlicher Syndikate und 
Trusts ist mit der Zuspitzung der Kreditkrise im Herbst 1927 und 
dem immer schärferen Drängen des Finanzkapitals auf Kontrolle 
der Kreditverwendung zu einer Angelegenheit öffentlicher Dis- 
kussion geworden. Die Debatte wurde durch das amtliche Organ 
der ostpreußischen Landwirtschaftskammer eröffnet, Es wurden 
Verschiedene Vorschläge gemacht. Während Dr. Spiller über eine 
Interessengemeinschaft zum gemeinsamen Ein- und Verkauf und 
eine Zentralisation der Genossenschaften nicht hinauswollte, ent- 
Wickelte einer der führenden ostdeutschen Agrargroßunternehmer, 
G. v, Janson, den Plan eines regelrechten Konzerns von Großgütern 
ünter maßgebender Beteiligung einer Großbank, Er verwies hierbei 
auf die bekannte Zuckerfabrik Klein-Wanzleben, der 10 Güter mit 
rund 26 000 Morgen Land angehören. Für alle diese Güter werden 
„Fruchtfolgen, Bestellungspläne, Ein- und Verkäufe von der Zentral- 
verwaltung geregelt‘, 
‚Janson sieht in dieser Konzernbildung geradezu 
die Rettung aus der Agrarkrise und schreibt bei der 
Gelegenheit seinen ewig notschreienden Berufskoöllegen folgendes 
ins Stammbuch: 
„Es ist ein zurzeit etwas verbreiteter Irrtum, daß von den Groß- 
betrieben die intensivsten zugleich die illiquidesten und am höchsten ver- 
Schuldeten seien. Man kann im Gegenteil feststellen, daß moderne 
Großwirtschaften, die den Risikoausgleich auf halbindustrielle Neben- 
betriebe ausdehnen und dabei eine planmäßige Bevorzugung gewisser
	        
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