Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Die  gewerblichen  Zustände  im  i8.  Jahrhundert.

Gütern  ausüben  Hess,  litten  sicherlich  viele  städtischen  Gewerbe.
In  den  meisten  Schrägen  war  den  deutschen  Handwerkern  verboten
Erbbauern  in  die  Lehre  zu  nehmen,  damit  diese  ihnen  nicht  die
Vortheile  ihrer  Profession  absähen.  Aber  doch  fand  man  nac
Hupels  Versicherung  in  jedem  Kirchspiele  die  noth  wendigsten
Professionisten  in  Thätigkeit,  ohne  sich  dem  Amte  der  nächsten
Stadt  angeschlossen  zu  haben,  und  wenn  es  auch  kaum  Rege
gewesen  sein  dürfte,  dass  der  Adel  die  Erzeugnisse  dieser  Han  '
werker  verkaufte,  sondern  diese  vielmehr  nur  zu  eigenem  Hedare
wird  haben  arbeiten  lassen,  so  entzog  er  die  Bestellungen  doch  den
städtischen  Gewerbetreibenden  und  schmälerte  mithin  deren  Verdienst. ­
  Dass  von  diesen  ländlichen  Handwerkern  nicht  wenige  sich  m
die  Städte  begaben  und  hier  eine  im  Stillen  geübte,  aber  gewis-'î
nicht  erfolglose  Konkurrenz  gegen  die  Amtsmeister  aufnahmen,  hegt
auf  der  Hand.  So  allgemein  wurde  darüber  geklagt,  dass  die
gierung  nicht  umhin  konnte  auf  diese  Beschwerden  Rücksicht
nehmen  und  drei  Patente  —  am  4.  März  1764,  am  17.  Februar  17^5’
am  28.  Oktober  1775  —  gegen  die  auf  der  Pfuscherei  ertapptet^

Bönhasen  ausgeben  liess  ^
Wie  sehr  das  Publikum  litt  unter  Verhältnissen,  bei  dene*
jeder  Handwerker  ängstlich  darauf  sah,  dass  er  die  ihm  zustehen  ^
Arbeit  auch  wirklich  übertragen  bekam,  kann  man  sich  vorstelleH-Man
  konnte  eben  keine  Arbeit  im  Ganzen  fortgeben,  sond^^
musste  sie  nach  der  Reihe  zu  den  Handwerkern  hinbringen,  ‘
die  betreffenden  Theile  derselben  anzufertigen  berechtigt  ^vareHj^
Ein  charakteristisches  Beispiel  in  dieser  Richtung  liefert  ein
uns  gekommener  Ausgabebeleg  vom  Jahre  1705  über  ein  klej  ^
noch  vorhandenes  Etui,  das  für  drei  silberne  Nadeln,  die  der  Ahe^
mann  Hermann  Harms  der  Ältestenbank  grosser  Gilde  zum
brauche  bei  der  Dockmannswahl  verehrt  hatte,  bestellt  worden
An  dem  Etui  hatten  gearbeitet:  ein  Bildhauer,  der  das  Käste
aus  Holz  anfertigte,  ein  Handschuhmacher,  der  das  ihm  ubergebei^^
Leder  bearbeitete  und  färbte,  ein  Buchbinder,  der  das  Kaste
mit  Leder  überzog  und  vergoldete,  und  ein  Uhrmacher,  der
beiden  Haken  und  Stifte  aus  Messing  anbrachte
Ebenso  trübe  sah  es  in  Dorpat  aus.  Ein  I  heil  der  Ämter
geschlossen,  d.  h.  auf  eine  gewisse  Anzahl  Meister  beschränkt,

1  Bröcker,  Jahrb.  für  Rechtsgelehrte.  3,  S.  6g.
2  Nach  einer  Mittheil,  des  Herrn  Ältesten  Rob.  Jaksch  in  Rigaer  lag
1891,  Nr.  242.
            
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