Full text: Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

I 
12 
Alt-Kij^as gewerbliches Leben. 
unentbehrliche Wasser aus dem Rigefluss entnehmend, während 
das vor der vSchalpforte belegene auf die Düna angewiesen gewesen 
sein muss. Die Lage des Gerberhauses vor der Sandpforte war 
„zur linken Hand, wenn man zum Th ore hinausgeht, gleich am 
Thurm“. Demnach scheint es mit den gleichfalls in jener Gegend 
befindlichen Gerberhäusern der Schuhmacher und Reiter nicht iden 
tisch. Dieses, sowie das vor der Schalpforte belegene, die beide 
als „gher/mss“ schlechthin oder als „doums cerdonnnd^ bezeichnet 
werden, können die für die Lohgerber bestimmten Baulichkeiten 
gewesen sein. Das Gerberhaus der Beiter stand gleichzeitig den 
Schuhmachern offen, obwohl diese ausserdem ihr eigenes Haus 
besassen. Es heisst aber in einer Inscription von 1493 ausdrücklich 
.^dat beiter ger/ms imde der schouiaker gerhus hehben imde mögen 
briikeii de schomaker des jares beyde vor 8 morc^‘‘ h Vermuth- 
lich waren die Gerberhäuser gleichzeitig Lohmühlen, die sonst gar 
nicht erwähnt werden, kaum aber wie in Hamburg''die Stätte, wo 
Leder verkauft wurde. Aus der inneren Einrichtung sind die 
Kessel hervorzuheben, die von erheblicher Grösse waren, im Hause 
vor der Schalpforte drei Bonnen, im Gerberhaus der Schuhmacher 
2 Tonnen Inhalt fassten. Die Gebäude gehörten der Stadt und 
waren theils an die genannten Ämter, theils an Einzelne verpachtet, 
die alsdann als Vertreter des Amts angesehen wurden. Die Pacht 
zinse unterlagen im Laufe der Jahre mehrfachen Veränderungen 
mit der unverkennbaren Tendenz zu einer Steigerung. Für das 
Gerberhaus vor der Schalpforte sind 1334—1344 4V2 Mark zu zahlen*, 
und dieser Betrag scheint bis 1377 (^l^r gleiche geblieben zu sein. 
Dann wird er auf 6 Mark erhöht. Übrigens lauten die beiden auf 
dieses Jahr sich beziehenden Beiträge abweichend, der eine auf 4'/%, 
der andere auf 6 Mark*. Um 1484 zahlte Jacob Jacobson, dem es 
verpachtet worden war, 16 Mark'* und zu Anfang des 16. Jahr 
hunderts warf das mittlerweile wie es scheint in einen kräftigen 
Mauerbau verwandelte Haus 20 Mark jährlich ah’*. — Die Beiter 
entrichteten für ihr Gerberhaus im 14. Jahrhundert nur i Mark 
jährlich, wurden gegen Ende desselben auf 2 Mark und zu Beginn 
des 16. Jahrhunderts auf 4 Mark gesteigert®. — Über die Höhe 
* Napiersky, libri redituum III, S. 233. 
2 Napiersky, lib. red. I, 292; II, 32. 
3 Napiersky, a. a. O. II, 148 und 672. 
4 Napiersky, a. a. O. III, 234. 
3 Napiersky, a. a. Oi III, 229. 
<■' Napiersky, a. a. O. I, 103; II, 310; II, 542; III, 232.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.