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VIL. Wöjchnitt: Einzelne Schuldverhältniffe.
1. & 687 behandelt die Züälle der fog. „unedhten“ (im Gegenfabe zur „e ten”
oder „Hellvertretenden“) Gejhüftsführung (Dernburg, Band. Bd. 2 $ 121
Unm. 7, Endemann 1 5 178 Anm. 8). Zum Begriffe der Gefchäftsführung ohne Auftrag
gehört Bewußtiein und Wille des Gefchättsführers, das objektiv fremde Sefchäft auch al8
[rembeS zu beforgen (f. Bem. 2, b zu & 677). Demgemäß finden die Vorfehriften Über
die Gefdhäftsführung ohne Auftrag feine Anwendung, wenn jemand ein objektib
iremdes Gefchäft in der Meinung bejorgt, e8 fei fein eigenes (& 687
Ubf. 1, 1. unten Bem. 2), und ebenfowenig, wenn jemand ein fremdes Gejchäft in
Kenntnis diefes Umfitande3 al8 fein eigeneS behandelt (S 687 Ubi. 2, f. unten
Bem. 3). €. | hatte dies Für beide Fälle ausdrücklich ausgefprochen; die Il. Komm.
hielt die Unanwendbarkeit der Vorfcdhriften über die Gefchäftsführung ohne Yuftrag auf
diejfe Fälle für felbitverHändlich, Pie die Hervorhebung diefes Sabes hinfichtlih Der
eriteren Art von Fällen für zwedmäßig (5. I, 742).
2. Zu Ubf. 1. Wer ein fremdes Gefhäft inder irrigen Meinung beforgt,
28 fei fein eigene8, fann Ddie einem Gefchäftsführer nach SS 683, 684 zZzufjtehenden
Anfprüche ‚nicht geltend machen, während anderjeits dem Gefchäftsherrn gegen ihn nicht
die AUnfprüche aus SS 678, 681 Sab 2, 666—668 zuftehen (bval. Urt, d. VLS. Stettin
vom 30. SZuni 1903 Kipr. d. ODLS. Bd. 8 S. 77 FM). AucH GenehHmigung Der
Sejdhäftsführung durch den Gefcdhäftsherrn vermag die Anwendbarkeit diefer Borfehriften
nicht zu begründen (9. IL 870); zu Ddiefem AZwede wäre vielmehr der Abjhluß eines
Vertrags (8 305) erjorderlih. Dagegen find beide Teile verpflichtet, daS ausz der Ges
jchäftsbejorgung Erlangte einander nach den Borfehriften über die HerauZgabe einer
ungeredhtfertigten Bereicherung (SS 812 ff.) herauszugeben (Bem. I, 4, b, « zu
5 812; vgl. Urt, d. DIS. Zmweibrücden vom 7. April 1908 Seuff. Arch. Bd. 64 Nr. 69
und außerdem Haftet der Gefchäftsführer nad Maßgabe der SS 823 HM, wenn er id
was inSbefondere bei Unentidhuldbarfeit feines Yırlums der Sall fein kann) durch
die Ge{chäftsführung einer unerlaubten Sandlung Ihuldig gemacht hat M. 1),
369, %. 11, 742; vgl. binfichtlih des gemeinen RMechte3 Dernburg, Band. Bd. 2 S 123
Bi 2, TS Pond Bd. 2 S. 930 Ann. 18, Seuff. Sir. Bd. 42 Nr. 205,
ROE. Bd. 13 S. 184 ff.; 1. auch Kreittmayr, Anm. z. BLR, IL IV cap. 13 82 Ziff. 7, 6
Sayr. Oberit. SO. Bd. 7 S. 904 ff.; über andere Rechte f. MR. IL, 869 Note 1). ”
Neber die Unmendbarfeit der allgemeinen VBorfchriften der 58 946 ff., 955, 985 ff,
394 ff. 1. Crome S. 640. ,
. Ob der Irrtum des SGelchäftsführers auf Fahrläffigkeit beruht oder nicht,
fommt für die Anwendbarkeit des S 687 Ubf. 1 nicht in Betracht (ebenfo Brücmann S. 44
Anm. 1, Bland Bem. 1, DVertmann Bem. 2, ROR-Komm. Bem. 2, Urt, d. OLG. Dresden
vom 20. Ypril 1904 fächf. Arch. Bd. 14 S. 638 ff; and. Anf. Say S. 103 ff).
3, Zu Abj. 2. Wer ein fremdes Gefchäft in Kenntnis des Mangel8 feiner
Beredhtigung hiezu als fein eigene8 behandelt, Jollte gemäß €. I Lediglich nach den
jür die Hattung aus unerlaubten Handlungen geltenden Vorfchriften verantwortlich fein.
Bon der Il. Komm. wurde (im Anfchluß an Art. 473 des {chweizerifchen Bundesgefebes)
dem SGefchäftsherrn das Recht eingeräumt, auch die au8 den 88 677, 678, 681, 682
li ergebenden Anfprüche geltend zu machen, was insbejondere infofern von Be-
deutung ift, als diefe Anfprücde nicht der kurzen Verjährung des 8 852 unterliegen (1.
Borbem. 6) und der Sefchäftsführer bienach auch jr Ci einc8 etwa erzielten
Dewinnes verbilichtet ift SS 681 Sab 2, 667; val. Urt. d. Meichsaer. vom 17. September
1909, Sur. Wichr. 1909 S. 658 ff).
Neber die Verpflichtung zur Redhnungslegung bei Dr le bung einc8
Patent3 (85 687 Abi, 2, 681 Sab 2, 666) 1. NOS. Bd. 46 S. 14 f., Bd. 62 S. 3921,
Urt. b. Meichsger. vom 3. Februar 1909 D. Iur.3. 1909 S. 545 ff. (leßtereS bejaht die
N ET auch bei groß fahrläjfiger BatentverleBung); val. auch NOS:
8d.47 S. 100 ff, wo der gleiche Anfpruch für den Fall einer Zuwiderhandhung gegen
315 des Gefebes zum Schube der Warenbezeichnungen verfagt ift, Urt. d. RNReichsger.
vom 24. Sunt 1904 ROSE. Gb. 58 S. 321 f., daS den AnfpruG auf Rechnungslegung
Mana Borliegens eine8 „fremden Gefchäfts“ für den Fall der wilfentlicdhen_Benußung
des für einen anderen eingetragenen Warenzeichens verneint, und Urt. d. OLG. Celle
von 11. Suli 1908 Ripr. d. DLG. Bd. 18 S. 29 ff. (fein Unfpruch auf NRecdhnungsleaung
bei BerleBung eines vertragsmüßigen Konkurrenzverbot8).
a) Macht der Gefdhäftsherr von der ihm nach S 687 Abf. 2 Sak 1 zuftehenden
Befugnis Gebrauch, fo it er verpflichtet, alle8, wa8 er durch die Ges
(OhäftSfiührung erlangt, nad den Vorfchriften über die Herausgabe einer
ungeredtfertigten Bereidherung (88 812 ff) En 2
88 687 Abi. 2 Sab 2, 684 Saß 1, Ben. 2 zu $684). Die Anfprüche aus
88 812 ff. {teben übrigens dem Sefichäftsführer auch in den Källen des 8 687