Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

2*

Alt-Rigas  gewerbliches  Leben.

19

dene  Waare  vor  sich  hatte,  sich  das  Preiswürdigste  auszusuchen,
iur  den  Gewerbetreibenden  aber  mochte  in  den  gemeinschaftlichen
Verkaufsplätzen  ein  Anreiz  zu  wohlfeilerer  Production  bei  gleicher
^üte  liegen,  um  über  die  mitwerbenden  Genossen  den  Sieg  davontragen ­
  zu  können.  Für  die  Stadt  selbst  hatte  die  Anordnung
fiskalische  Bedeutung  \  sofern  die  Gewerbetreibenden  für  die  Benutzung ­
  der  Plätze,  Stände,'  Hallen,  Läden  u.  s.  w.  regelmässige
Abgaben  zu  zahlen  hatten.  In  der  Regel  unterschied  man  die
Verkaufsstätten  nach  den  Gewerben  und  kannte  so  Brod-  und
Fleischbänke,  Tuch-  und  Goldschmiedebuden,  Schusterhallen  und
dergl.  m*.
Hen  Mittelpunkt  des  geschäftlichen  Treibens  bildete  der  Markt,
auf  den  für  gewöhnlich  die  Waaren,  die  vom  Lande  zum  Verkauf
•n  die  Stadt  kamen,  insbesondere  Lebensmittel,  gebracht  wurden.
Loch  stand  es  dem  Landmanne  frei  seine  Erzeugnisse  auch  hausierend ­
  in  den  Strassen  auszubieten  oder  in  einem  bestimmten
Hause  (Bude  oder  Herberge)  seinen  Verkaufsstand  zu  eröffnen.
Ausgeschlossen  vom  Markte  blieben  grundsätzlich  Holz  und  Heringe*.
Lemnach  dürfte  die  Heringsstrasse  (heringkstrate),  die  zwar  nicht
früher  als  1550  genannt  wird  \  aber  wohl  älteren  Datums  war,  diejenige ­
  Stätte  gewesen  sein,  in  der  der  Heringshandel  betrieben
wurde.  In  ihr  befand  sich  1563  die  Waage*,  und  da  unter  dieser  doch
nur  die  öffentliche  Einrichtung  verstanden  werden  kann,  bei  der
Jedermann  gegen  eine  kleine  Gebühr  das  Gewicht  ihm  gehöriger
Gegenstände  oder  solcher,  die  er  kaufen  wollte,  feststellen  lassen
konnte,  so  muss  die  Heringsstrasse  in  der  Nähe  des  Marktes  zu
suchen  sein.
■^uf  dem  Markte  selbst  befanden  sich  die  für  den  Verkauf
gewisser  gewerblicher  Erzeugnisse  bestimmten  Buden,  die  man
sich  als  Vorbauten  an  den  auf  dem  Markte  stehenden  Häusern,
^Fer  doch  als  feste  verschliessbare  Räumlichkeiten  vorzustellen
h‘'tben  wird.  Mehrfach  mögen  sie  auch  in  den  unteren  Räumen
grösserer  Gebäude  sich  befunden  haben,  etwa  in  der  Art,  wie  noch
heute  sich  die  Reiferbuden  im  Schwarzhäupterhause  erhalten  haben.

Über  die  Einkünfte  der  Stadt
Urk.  3,  Nr.  1088.
Stieda,  Rnstehung  des  deutschen
*  Hunge,  a.  a.  (),  S.  128-129.
<  Napiersky,  Erheb.  II,  1049.
*  Napiersky,  Erbeb.  II,  1306.

Reval  in  dieser  Hinsicht  vergl.  L.-E.-C.
Zunftwesens,  S.  loi.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.