Zweites Kapitel.
Die Spätromantik.
Rufen wir uns, ehe die Erzählung in der Geschichte der
Romantik fortschreitet, eine in Einzelheiten schon hier und da
angedeutete Gedankenreihe nochmals mit zwei Worten ins
Gedächtnis.
Extremer Subjektivismus, Frühromantik: — man kann
sie: wohl kurz mit dem Namen Mystik bezeichnen. Aber irr—
tümlich würde es sein, daraus ihre Unfruchtbarkeit ableiten
zu wollen. Was gibt es, ließe sich sagen, in fortgeschritteneren
Zeiten schließlich für ein fruchtbareres Prinzip zur Erkenntnis
der Dinge und zur Herrschaft über sie, als sich, wie es nur
in mystischer Vereinigung möglich ist, mit ihnen in Eins zu
setzen? Das Ergebnis eines solchen Verfahrens ist dann aller⸗
dings sicherlich nicht Wissen, sondern Ahnen, nicht Erkenntnis,
sondern Hypothese: als heuristisch kommt es vor allem in Be—
tracht. Indes, wenn wir die Wahrheit immer zu suchen und
nie zu erreichen bestimmt sind: ist da mit einem solchen Er—⸗
gebnis am Ende nicht viel, wenn nicht das Höchste gewonnen?
Unzählig jedenfalls sind die Anregungen, die von der Früh—
romantik ausgegangen sind auf alle Gebiete des Lebens, und eben
auf die dem ersten Anschein nach mystischem Trieb und Treiben
am wenigsten verwandten: vor allem in der Wissenschaft und selbst
in der Politik werden wir ihnen noch begegnen. Und fortgewährt
haben sie zäh durch die ganze erste Periode des Subjektivismus,