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Die Gewerbetreibenden.
giesser. In der Textilindustrie fehlen der Walker, die Tuchwäscherin,
der Rothweber, in der Gruppe Leder der Täscher, in der Gruppe
Holz der Bentschnider, in der Gruppe Nahrungs- und (ienussmittel
der Roggenknedter, in Handel und Verkehr der Wasserführer, der
Segeler, die Altkleiderhändlerin, der Weinträger und der Wechsler,
endlich in der Sammelgruppe der verschiedenen Berufsarten die
Hebamme, der Fiedler und Trompeter. Lediglich Veränderungen
in der Bezeichnung scheinen vorzuliegen in der vierten (»ruppe,
in der sich der Schiffszimmermann in einen Bordingbauer, in der
achten Gruppe, in der der Bernsteindreher sich in den Paternoster
macher, und in der neunten Gru|)pe, in der der Wurstmacher sich
in den Schlachter verwandelt hat. Völlig neue (iewerbearten aber
treten entgegen im Rademacher und lîhrmacher, im Aschenbrenner,
Köhler und Ellernköhler, im Hanfschläger und Leinweber, im Beutel
macher und Thomschläger, im Bechermacher, Spann mach er und
Holzhauer, im Branntweinbrenner und den verschiedenen Arten
von Bäckern: Kuchen-, Los-, Samt-, Weggen-Bäcker, im Flick
schneider, Hut- und Mützenmacher, im Baumeister, Blei- und Dach
decker, Grabenzieher und Maler, im Ligger, Aschenwraker, Brief
träger, Bordingmeister, Dolmetscher, (irasführer, Holzwächter, Last
wagenführer, Messer, Salzträger, Steinführer, Thurmwächter, Wächter,
Wäger, Zollgehilfe und endlich in der Sammelgruppe verschie
dene Berufsarten, die eine ganze Reihe von Bezeichnungen zum
ersten Male aufweist. Es erhellt hieraus unverkennbar, dass
mit wenigen Ausnahmen die im 14. Jahrhundert erkennbaren
Gewerbe im folgenden nicht untergegangen sein werden, sondern
ausgeübt wurden, auch wenn wir von ihrem Dasein keine Kunde
haben. Ohne Hebamme, Wechsler und I rödlerin kann man sich
das Riga des 15. Jahrhunderts schlechterdings nicht vorstellen.
Bei anderen Gewerben mag allerdings eine \ eränderung dem Cha
rakter der Zeit gemäss vor sich gegangen sein, wie z. B. der Pfeil
schmied und Schildmacher in Folge der Erfindung des Pulvers
unnöthig werden, der Kistenmacher durch den Tischler ersetzt wird.
Wenn auf diese Weise keinenfalls eine Verschlechterung des (îewerbe-
Wesens in Riga während des 15. Jahrhunderts angenommen werden
muss, so wird man eine solche auch nicht für das folgende zu
befürchten haben, für welches unser Verzeichniss weniger (%ewerbu
aufweist. Vielmehr zeigt dieses in einigen ganz neu auftretenden
Gewerben gleichfalls das rastlose, wenn auch in bescheidenen
Grenzen sich haltende Vorwärtsstreben der Bevölkerung. Zu diesen