Full text : Schragen der Gilden und Aemter der Stadt Riga bis 1621

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Die  Gewerbetreibenden.

giesser.  In  der  Textilindustrie  fehlen  der  Walker,  die  Tuchwäscherin,
der  Rothweber,  in  der  Gruppe  Leder  der  Täscher,  in  der  Gruppe
Holz  der  Bentschnider,  in  der  Gruppe  Nahrungs-  und  (ienussmittel
der  Roggenknedter,  in  Handel  und  Verkehr  der  Wasserführer,  der
Segeler,  die  Altkleiderhändlerin,  der  Weinträger  und  der  Wechsler,
endlich  in  der  Sammelgruppe  der  verschiedenen  Berufsarten  die
Hebamme,  der  Fiedler  und  Trompeter.  Lediglich  Veränderungen
in  der  Bezeichnung  scheinen  vorzuliegen  in  der  vierten  (»ruppe,
in  der  sich  der  Schiffszimmermann  in  einen  Bordingbauer,  in  der
achten  Gruppe,  in  der  der  Bernsteindreher  sich  in  den  Paternostermacher, ­
  und  in  der  neunten  Gru|)pe,  in  der  der  Wurstmacher  sich
in  den  Schlachter  verwandelt  hat.  Völlig  neue  (iewerbearten  aber
treten  entgegen  im  Rademacher  und  lîhrmacher,  im  Aschenbrenner,
Köhler  und  Ellernköhler,  im  Hanfschläger  und  Leinweber,  im  Beutelmacher ­
  und  Thomschläger,  im  Bechermacher,  Spann  mach  er  und
Holzhauer,  im  Branntweinbrenner  und  den  verschiedenen  Arten
von  Bäckern:  Kuchen-,  Los-,  Samt-,  Weggen-Bäcker,  im  Flickschneider, ­
  Hut-  und  Mützenmacher,  im  Baumeister,  Blei-  und  Dachdecker, ­
  Grabenzieher  und  Maler,  im  Ligger,  Aschenwraker,  Briefträger, ­
  Bordingmeister,  Dolmetscher,  (irasführer,  Holzwächter,  Lastwagenführer, ­
  Messer,  Salzträger,  Steinführer,  Thurmwächter,  Wächter,
Wäger,  Zollgehilfe  und  endlich  in  der  Sammelgruppe  verschiedene ­
  Berufsarten,  die  eine  ganze  Reihe  von  Bezeichnungen  zum
ersten  Male  aufweist.  Es  erhellt  hieraus  unverkennbar,  dass
mit  wenigen  Ausnahmen  die  im  14.  Jahrhundert  erkennbaren
Gewerbe  im  folgenden  nicht  untergegangen  sein  werden,  sondern
ausgeübt  wurden,  auch  wenn  wir  von  ihrem  Dasein  keine  Kunde
haben.  Ohne  Hebamme,  Wechsler  und  I  rödlerin  kann  man  sich
das  Riga  des  15.  Jahrhunderts  schlechterdings  nicht  vorstellen.
Bei  anderen  Gewerben  mag  allerdings  eine  \  eränderung  dem  Charakter ­
  der  Zeit  gemäss  vor  sich  gegangen  sein,  wie  z.  B.  der  Pfeilschmied ­
  und  Schildmacher  in  Folge  der  Erfindung  des  Pulvers
unnöthig  werden,  der  Kistenmacher  durch  den  Tischler  ersetzt  wird.
Wenn  auf  diese  Weise  keinenfalls  eine  Verschlechterung  des  (îewerbe-Wesens
  in  Riga  während  des  15.  Jahrhunderts  angenommen  werden
muss,  so  wird  man  eine  solche  auch  nicht  für  das  folgende  zu
befürchten  haben,  für  welches  unser  Verzeichniss  weniger  (%ewerbu
aufweist.  Vielmehr  zeigt  dieses  in  einigen  ganz  neu  auftretenden
Gewerben  gleichfalls  das  rastlose,  wenn  auch  in  bescheidenen
Grenzen  sich  haltende  Vorwärtsstreben  der  Bevölkerung.  Zu  diesen
            
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