298 Vierundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
gewesen, der sich in dieser Hypothese geäußert hatte in dem
Augenblicke, da ein klarer Subjektivismus wachsenden Kom⸗—
plikationen der Naturerscheinungen mit eingeborener Voraus—
setzungslosigkeit entgegentrat? Es begreift sich, daß dieser
Drang, umgesetzt in das Bedürfnis, die Einheit und Identität
nachzuweisen, das ganze folgende Zeitalter exakter Forschung be⸗
herrscht hat.
Zunächst aber trat er freilich noch in Verquickungen von
Naturphilosophie und exakter Forschung zutage. In diesem
Zusammenhange hat schon Oersted, der Entdecker des Elektro⸗
magnetismus, ausgehend von Folgerungen, die er an die
Drehung der Polarisationsebene des Lichtes knüpfte, in seinen
„Ideen zu einer neuen Architektonik der Naturmetaphysik“, 1802,
und in seiner „Ansicht der chemischen Naturgesetze, durch die
neueren Entdeckungen gewonnen“, 1812, zuerst die Vermutung
wahrscheinlich zu machen gesucht, daß das Licht, also eins der
großen Agentien der Natur, nur eine besondere elektromagnetische
Erscheinungsform sei.
Viel reiner, bereits aus dem Kreise rein naturwissenschaftlich⸗
induktiver Untersuchungen her, vor allem aus dem Studium
der Erscheinungen der von ihm entdeckten Induktion aus, kam
dann Faraday, wie wir schon wissen!, um das Jahr 1833 zu
der Behauptung, daß nicht nur Elektrizität und Magnetismus,
wie aus zahlreichen Fällen ihres analogen Verhaltens geschlossen
werden müsse, in ihrem Wesen übereinstimmen, sondern daß
auch chemische Verwandtschaft und Elektrizität synonyme Be—
griffe seien. Und indem er zugleich für das Licht an der An⸗—
schauung Oersteds festhielt und für sie neue Gründe bei—
brachte, war er um die Mitte der vierziger Jahre so weit
gelangt, die vier großen Naturkräfte Licht, Magnetismus,
Elektrizitit und Chemismus als gleich oder mindestens aufs
innigste verwandt zu erklären: und nur die Schwerkraft ent⸗
zog sich noch seinem Systeme natürlicher Identitäten.
Dabei hatte er sich, schon Anfang der dreißiger Jahre,
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