Full text: Der Produktionsprozeß des Kapitals (1.1928)

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Erster Abschnitt 
wand für Bibel einzutauschen, wie der Leinweber nicht davon weiß 
üaß Weizen gegen seine Leinwand eingetauscht worden ist usw. 
Die Ware des B ersetzt die Ware des A, aber A und B tausches 
nicht wechselseitig ihre Waren aus. Es kann in der Tat vorkommen, 
daß A und B wechselweise voneinander kaufen, aber solche be- 
sondere Beziehung ist keineswegs durch die allgemeinen Verhält- 
nisse der Warenzirkulation bedingt. Einerseits sieht man hier, wie 
der Warenaustausch die individuellen und lokalen Schranken des 
unmittelbaren Produktenaustausches durchbricht und den Stoff- 
wechsel der menschlichen Arbeit entwickelt. Anderseits entwickelt 
sich ein ganzer Kreis von den handelnden Personen unkontrollier- 
barer, gesellschaftlicher Naturzusammenhänge. Der Weber kann 
nur Leinwand verkaufen, weil der Bauer Weizen, Heißsporn nur 
die Bibel, weil der Weber Leinwand, der Destillateur nur gebranntes 
Wasser, weil der andere das Wasser des ewigen Lebens bereits 
verkauft hat usw. 
Der Zirkulationsprozeß erlischt deswegen auch nicht, wie der 
unmittelbare Produktenaustausch, in dem Stellen- oder Hände- 
wechsel der Gebrauchswerte. Das Geld verschwindet nicht, weil 
28 schließlich aus der Metamorphosenreihe einer Ware herausfällt. 
Es schlägt immer nieder auf eine durch die Waren geräumte 
Zirkulationsstelle. Zum Beispiel in der Gesamtmetamorphose der 
Leinwand: Leinwand — Geld — Bibel fällt erst die Leinwand aus 
der Zirkulation, Geld tritt an ihre Stelle, fällt dann die Bibel aus 
der Zirkulation, Geld tritt an ihre Stelle. Der Ersatz von Ware 
durch Ware läßt zugleich an dritter Hand die Geldware hängen.” 
Die Zirkulation schwitzt beständig Geld aus. 
Nichts kann alberner sein als das Dogma, die Warenzirkulation 
bedinge ein notwendiges Gleichgewicht der Verkäufe und Käufe, 
weil jeder Verkauf Kauf und umgekehrt. Soll dies bedeuten, daß 
die Zahl der wirklich vollzogenen Verkäufe gleich derselben Zahl 
von Käufen, so ist es platte Tautologie. Aber es soll beweisen, 
daß der Verkäufer seinen eigenen Käufer zu Markt führt. Verkauf 
und Kauf sind ein identischer [sind derselbe] Akt als Wechsel- 
beziehung zwischen zwei polarisch entgegengesetzten Personen; 
dem Warenbesitzer und dem Geldbesitzer. Sie bilden zwei 
polarisch entgegengesetzte Akte als Handlungen derselben Persou 
Die Identität [die Wesenseinheit] von Verkauf und Kauf schließt 
daher ein, daß die Ware nutzlos wird, wenn sie, in die 
alchimistische Retorte der Zirkulation geworfen, nicht als Geld 
herauskommt, nicht vom Warenbesitzer verkauft, also vom Geld- 
besitzer gekauft wird. Jene Identität enthält ferner, daß der Prozeß: 
wenn er gelingt, einen Ruhepunkt, einen Lebensabschnitt der 
Ware bildet, der länger oder kürzer währen kann. Da die erste 
7 Note zur 2. Ausgabe, So handgreiflich diese Erscheinung ist, wird 
sie dennoch von politischen Oekonomen meist übersehen, namentlich vom 
Freihändler vulgaris [dem flachen Durchschnittsfreihändler}.
	        
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