jedes Element, jedes e und e und g für sich genommen
kennen lernen, und dann feststellen, wie es im ganzen, im
O-dur-Dreiklange, drinnen steht und dieses aufbauen hilft.
Dem bekannten aristotelischen Satze, daß das Ganze
früher sei als der Teil, ist der Satz zur Seite zu stellen, daß
Analyse der vollen Synthese notwendig vorangehen muß. Die
allseitige Analyse, die nicht in eingleisige Sackgassen führt,
hereitet den Boden für das wirkliche Verstehen des über—
geordneten Ganzen. Das menschliche Denken an sich besteht
schon darin, Einheit aus buntem Vielerlei der Eindrücke —
und der Einzelerkenntnisse — zu schaffen. Einheit aus schein—
bar widerstrebender Vielheit schafft der Denker und in
seiner Weise der Künstler, ist gleichzeitig stets erneut der
Inbegriff des Wahren, des Schönen — und des Guten.
Der Mensch, der — ohne es jemals gelernt zu haben, ohne
es aber auch dem Prinzipe nach jemals „lernen“ zu
können oder lernen zu müssen — in Begriffen denkt, stellt
in dem Augenblick die Synthese her, wo er eine Allseitig—
keit von Zusammenhängen, das ist nichts anderes als die
gesamten Elemente der späteren Synthese, der übergeordneten
Einheit, tatsächlich und gleichzeitig zu erfassen vermag
(wie z. B. im Falle des Begriffes einer Pflanze). Die all—
seitige Kausalforschung bzw. die allseitige Analy se bereitet so
den Boden für gesteigerte Erkenntnisformen vor und erzeugt
sie. (Oft bewirkt schon teilweise Kausalkenntnis entsprechende
Synthese, je nach dem Grade intuitiver Veranlagung,
velch letztere im übrigen bekanntlich auch richtige Kausal—
forschung selbst ebensowenig zu entbehren vermag. Immer
aber ist die Tiefe der Erkenntnis der Synthese von der grund⸗
legenden kausalen Analyse abhängig, die auch nachfolgen
kann.) In besonderer Form kommt diese Tatsache bei Hegel
in seiner Dialektik zum Ausdrucke, soweit wir diese als
reines Denkgesetz ansehen wollen.
Die Aufgabe der Wissenschaft ist daher kausale For—⸗
schung, wo überhaupt Ursache und Wirkung hereinspielen, aber
nicht eingleisige, sondern allseitige. Die eingleisige, die nicht
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