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revolutionäre Bewegung, für eine in Wahrheit durchaus
nicht revolutionäre, für eine reaktionäre Bewegung.
Den Fortschritt der Industrie dagegen, der sich im
16. Jahrhundert entwickelt, nenne ich, obgleich dabei
doch kein Schwert aus der Scheide gezogen wurde,
wiederholt und fortlaufend ein „wirklich und wahr
haft revolutionäres Faktum", ebenso nenne ich
die Erfindung der Baumwollenspinnmaschine von 1775
eine vollständige, eine tatsächlich eingetretene Revolution.
Mißbrauche ich vielleicht die Sprache oder führe ich
auch nur einen neuen Sprachgebrauch ein, indem ich
das Wort „Revolution" in diesem Sinne nehme, indem
ich es auf die friedlichsten Erscheinungen anwende und
den blutigsten Aufständen verweigere?
Schelling, der Vater, sagt (Untersuchungen über das
Wesen der menschlichen Freiheit, Bd. VH, S. 351):
„Der Gedanke, die Freiheit einmal zum Eins und Alles
der Philosophie zu machen, hat den menschlichen Geist
überhaupt nicht bloß in bezug auf sich selbst in Freiheit
gesetzt und der Wissenschaft in allen ihren Teilen einen
kräftigern Umschwung gegeben als irgendeine frühere
Revolution." Schelling, der Vater, sieht also gleich
falls nicht, wie die Phantasie des Staatsanwalts, bei
dem Worte „Revolution" Heugabeln vor seinen Augen
blitzen. Er nimmt dies Wort, indem er es aus die Ein
wirkung des philosophischen Grundprinzips anwendet,
gleich mir in einem mit materieller Gewalt durchaus
nicht zusammenfallenden Sinne.
Welches ist dieser wissenschaftliche Sinn des Wortes
„Revolution" und wie unterscheidet sich Revolution von
Reform?