§ 107. Geld.
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wirksamerer Arbeit und ebensolchen Kapitals möglich. Ebenso
können die Edelmetalle dann selbst aus größter Entfernung um
so viel leichter durch den Handel beschafft werden. Der Werth
derselben sinkt aber auch keineswegs etwa in ähnlichem Maße,
in welchem sich der Metallvorrath durch eigene neue Gewinnung
oder durch Bezug aus anderen Ländern vermehrt, denn letzterer
erleidet nicht nur im Laufe der Zeit durch Abnutzung und Ver
lorengehen wieder mancherlei Abminderungen, sondern es steigt
ja auch der Geldbedarf zwar nicht in gleichem Verhältnisse mit
der zunehmenden Beträchtlichkeit der Bevölkerung und ^ des
Verkehrs, aber doch überhaupt, während mit wachsendem Reich-
thume zugleich die sonstige Benutzung des Goldes und Silbers
zunimmt.
Gewöhnlich wird angenommen, daß der Werth der Edel
metalle während der blühendsten Zeit des Alterthums im Sinken
gewesen und während sdes Mittelalters wiederum gestiegen sei,
nach der Entdeckung Amerikas (1492) sich auf den dritten bis
vierten Theil seiner vorherigen Höhe vermindert habe, von der
letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts an bis gegen Mitte des
19. Jahrhunderts aber ziemlich unverändert geblieben wäre.
Darüber dagegen, ob und um wie viel seitdem die Edelmetalle
im Werthe gesunken und demnach die Geldpreise aller anderen
Waaren gestiegen sind, herrschen zur Zeit noch getheilte
Meinungen.
Mit zunehmender wirthschaftlicher Kultur schwankt überdies
der Werth der Edelmetalle weniger häufig und plötzlich in so
beträchtlichem Maße, als es in früherer Zeit, z. B. nach Er-
beutung und Entleerung aufgehäufter Schätze ec., zeitweise hie
und da der Fall gewesen zu sein scheint, und werden die Preise
der betreffenden Metalle schon deshalb stetiger, weil sich mit
jener der Geldmarkt ungemein erweitert, \ die Eoncurrenz auf
diesem unbehinderter, uitb somit die Ausgleichung zwischen Angebot
und Nachfrage sehr viel leichter wird.
Die nämlichen Beziehungen bedingen ferner, daß sich die
örtlich rücksichtlich der Edelmetalle bestehenden Werthsunterschiede
zunehmend mehr ausgleichen. Gold und Silber suchen, insoweit
'dies unbehindert zu geschehen vermag, gleich jeder anderen Waare
den Markt auf, wo sie am stärksten begehrt werden und den
höchsten Tauschwerth haben, können jedoch selbstverständlich immer
nur dorthin übergeführt werden, von woher dagegen andere