Full text : Die Volkswirthschaftslehre

§  183.  Größe  der  Konsumtion.  339
Nahrungsmitteln  gegenüber  eine  sogenannte  Uebervölkerung  statt.
Eine  so  dichte  Bevölkerung,  deren  absolute  Beträchtlichkeit  dabei
je  nach  Landesbeschaffcnheit  sowie  je  nach  Höhe  der  erreichten
wirthschaftlichen  Entwickelung  eine  sehr  ungleich  große  sein  mag,
ist  jedoch  noch  keineswegs  eine  übermäßige,  falls  genug  andere
Prodncte  zu  Gebote  stehen,  mittels  deren  sich  die  fehlenden
Nahrungsmittel  sicher  und  in  hinlänglicher  Menge  eintauschen
lassen.  Eigentliche  Uebervölkcrnng,  d.  h.  eine  Bevölkernngsanhäufung,
  bei  welcher  die  gesammte  Volksmenge  sich  nicht  mehr
durch  die  ihr  verfügbaren  Unterhaltsmittel,  wozu  selbstverständlich ­
  nicht  blos  die  unentbehrlichen  Nahrungsmittel  zu  zählen
sind,  selbst  entsprechend  zu  erhalten  vermöchte,  ist  im  Ganzen
unmöglich,  da  dort,  wo  z.  B.  eben  nur  Unterhaltsmittel  für
tausend  Menschen  vorhanden  sind,  deren  nicht  in  stärkerer
Anzahl  leben  können.  Es  wäre  dies  lediglich  daun  möglich,
wenn  gleichzeitig  der  bisherige  Unterhaltsbedarf  jedes  Einzelnen
oder  wenigstens  Vieler  durch  widerwillige  Einschränkung  des
Lebensgenusses  auf  ein  geringeres  Maß  erniedrigt  würde.  Der
etwaige  Ueberschnß  an  Bevölkerung  wird  jedesmal  in  den  Unterhaltsmangel ­
  erleidenden  Gliedern  dieser  durch  die  natürlichen
Folgen  wirthschaftlicher  Noth,  durch  Krankheiten  und  vermehrte
Sterblichkeit  unabweislich  ausgeschieden.
Das  „physiologische  Fortpflanzungsvermögen"  der  Menschen
vermag  sich  daher  nicht  unbeschränkt  zu  bethätigen.  Die  Volksvermehrung
  ist  vielmehr  beschränkt  durch  die  Zunahme  der
Unterhaltsmittel,  deren  Menge  ztvar  in  Folge  des  wechselseitigen
Abhängigkeitsverhältnisses,  welches  zwischen  der  Größe  der  Consnmtion
  und  derjenigen  der  Production  besteht,  beim  Zahlreicherwerden ­
  der  Bevölkerung  bedingungsweise  und  solange
verhältnißmäßig  zunehmen  kann,  als  neben  ber  nun  massenhafter
vorhandenen  Arbeitskraft  es  weder  an  hinlänglichen  Kapitalien
noch  an  ausgiebigen  Grundstücken  fehlt,  sich  aber  wenigstens
nicht  cwighin  ebenmäßig  und  jedenfalls  niemals  unbegrenzt  vermehren ­
  läßt.  Dem  Uebcrschreitenwollen  der  durch  den  gegebenen
Unterhaltsspielraum  gezogenen  Grenze  stehen  zunächst  positive
Hindernisse  („repressive  Gegentendenzen")  entgegen,  welche  zwingend
einwirken,  indem  das  mit  dem  Nichtbestehenkönnen  verbundene
Elend  unmittelbar  die  Sterblichkeit  der  Aermeren  nebst  derjenigen
ihrer  Kinder  gewaltig  vergrößert,  und  mittelbar  durch  leichteres
Aufkommenlassen  verheerender  Massenkrankheiten  sowie  durch  die
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