wollte, sagten da die englischen Arbeiter, die das Recht zum General-
streik besaßen, wir wollen jetzt einen Gesetzentwurf vorlegen, in
dem unser Recht zum Generalstreik anerkannt wird? Nein, es war
die Bourgeoisie, die zu einem Gesetzentwurf Zuflucht nahm, um den
Generalstreik zu verbieten. Es gibt sicher F älle, wo man keine Ge-
setzentwürfe einbringen soll, weil unsere Stellung besser und fester
ist, wenn wir uns auf die bestehenden Gesetze berufen und die Ver-
letzung durch die herrschende Klasse nachweisen. Selbstverständ-
lich hindert uns das nicht, auch in solchen Fällen im Parlament zu
wirken, aber dazu muß man die Interpellation benutzen und nicht
neue Gesetzentwürfe einbringen, Bringt man aber Gesetzentwürfe
ein, so muß man bestrebt sein, daß diese gut motiviert und formuliert
sind, Die IRH muß dieser Frage eine ganz besondere Aufmerksam-
keit widmen, Das Einbringen eines Gesetzentwurfes wird aber auch
nur dann einen Sinn haben, wenn wir neben den nationalen auch
internationale Kampagnen führen, um dadurch die breiteste Oeffent-
lichkeit zu mobilisieren und die Regierungen unter den Druck der
öffentlichen Meinungen stellen. Nur so.können wir unsere Aufgaben
im Kampf um das‘ Asylrecht erfüllen.
Ein Albanier:
Seit Ende 1924 stöhnt Albanien unter dem Regime der feudalen
Beys, der Großgrundbesitzer, mit Achmed Zoga an der Spitze. Dieses
Regime wurde in Albanien mit Waffengewalt errichtet. Eine jugo-
slawische Armee überfiel Albanien unter Führung Großbritanniens,
unter Zustimmung Italiens und Griechenlands, und brachte die feu-
dalen Beys mit Achmed Zoga als Präsidenten an die Macht, Ein Teil
der Gegner dieses Regimes verblieb im Lande, ein anderer Teil zog
es vor, den Weg des Exils anzutreten. Diejenigen, die im Lande ver-
blieben, bedauerten. diesen Entschluß. Viele von ihnen wurden ein-
gekerkert und man weiß, was albanische Gefängnisse sind. Sie sind
aicht besser als die übrigen Gefängnisse auf dem Balkan, Die übrigen
wurden interniert, der Rest ermordet.
Diejenigen, die emigrierten, erkannten bald, daß das Asylrecht
ın keinem Lande der sogenannten zivilisierten Welt existiert. Fast
überall wurden sie aufgefordert, sich jeder politischen Betätigung zu
anthalten, Das Schicksal derjenigen Emigranten, die in den benach-
barten Ländern Zuflucht nahmen, war sehr schlimm. In Jugoslawien
ınd Griechenland überließ man ihnen die Wahl zwischen den beiden
Alternativen: Agenten dieser Staaten zu werden oder sich ausweisen
zu lassen, In Italien war es noch schlimmer. Man forderte sie auf,
dem Vertrage von Tirana, der Albanien in eine italienische Kolonie
verwandelte, zuzustimmen. Als sie diese Zumutung ablehnten, wurden
sie alle ohne Ausnahme interniert und man gesattet ihnen nicht mehr,
Italien zu verlassen, Ich will noch ein besonderes Beispiel bringen,
das das Asylrecht in Italien in einem grellen Lichte zeigt, Der Ex-
minister Gurakugi wurde von einem, von Achmed Zoga gedungenen
Meuchelmörder ermordet, Der Mörder wurde nicht nur frei-
gesprochen, sondern auch noch vom Generalprokuror des obersten
italienischen Gerichtshofes als Missionär, als Apostel italienischer
Kultur nach Albanien entsandt.
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