Full text : Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel  III.  Die  Assozialisten.

271

Interessen  sich  fast  stets  schroff  gegenüber,  weil  sie  nach  Klassen  geschieden ­
  sind:  in  einer  einzigen  Person  vereinigt,  wird  der  Gegensatz  sich
durch  „Verschmelzung“  auflösen,  wie  die  Juristen  sagen,  oder  er  würde
wenigstens  in  das  Innenleben  eines  jeden  verpflanzt  werden,  wo  sich  wohl
oder  übel  eine  vollständige  Aussöhnung  vollziehen  muß.
Dieses  Programm,  das  nicht  auf  die  Abschaffung  des  Eigentums,
sondern  im  Gegenteil  auf  die  des  Lohnes  durch  den  Erwerb  eines  gemeinsamen ­
  und  allgemeinen  Eigentums  abzielt,  das  als  Hilfsmittel  nicht  den
Klassenkampf,  sondern  die  Assoziation  der  Intelligenz,  der  Arbeit  und
des  Kapitals  annimmt,  das  die  entgegengesetzten  Interessen  des  Kapitalisten ­
  und  des  Arbeiters,  des  Produzenten  und  des  Verbrauchers,  des
Gläubigers  und  des  Schuldners  zu  vereinigen  sucht,  indem  es  alle  diese
Interessen  in  die  gleiche  Person  verlegt,  —  dieses  Programm  ist  sicherlich
keine  mittelmäßige  Leistung.  Während  des  ganzen  19.  Jahrhunderts  ist
es  das  Ideal  der  Arbeiterklasse,  wenigstens  in  Frankreich,  bis  zu  dem  Tage,
an  dem  der  marxistische  Kollektivismus  es  zurückdrängte,  —  wahrscheinlich ­
  aber  keineswegs  auf  immer.  Das  Programm,  das  heute  die
radikal-sozialistische  Partei  in  Frankreich  in  allen  ihren  Wahlaufrufen
darlegt,  und  durch  das  sie  sich  zu  der  sozialistischen  Partei  in  Gegensatz
zu  stellen  sucht,  kann  in  folgender  Formel  zusammengefaßt  werden:
Aufrechterhaltung  und  Ausbreitung  des  Privateigentums,  aber  Abschaffung
des  Lohnsystems.  Hierin  stammt  es  unbewußt  von  Fourier  ab 1 ).

kei

Neswegs  den  Zweck  haben,  die  Erzeugnisse  ihrer  Produktion  zu  verzehren;  sie  er-2eu
 gen  sie  nur  für  den  Verkauf,  um  daran  zu  verdienen.  Auf  der  anderen  Seite  Konsumgenossenschaften, ­
  die  bezwecken,  ihren  Mitgliedern  gewisse  soziale  Vorteile  zu  verschaffen, ­
  besonders  den,  eine  bessere  Lebenshaltung  führen  zu  können,  die  aber  m  ,  r
Re gel  sich  nicht  damit  beschäftigt  haben,  das  zu  produzieren,  was  sie  verbrauchen.
Dort  freilich,  wo  die  Konsumgenossenschaften  machtvoll  organisiert  sind,  hauptsachlich
  in  England,  fangen  viele  an,  einen  Teil  dessen,  was  sie  verbrauchen  selbst
ln  produzieren  —  einige  unter  ihnen  haben  sogar  kleine  Landgüter  zu  diesem  Zwec  ,
Nichtsdestoweniger  sind  sie  noch  weit  entfernt  davon,  die  Vollgenossenschaft  des
“halanst&re  zu  verwirklichen;  denn  die  Arbeiter,  die  sie  beschäftigen,  sind  meistenteils
Nicht  Mitglieder  der  Gesellschaft  oder  sind  doch  in  solcher  Minderzahl,  daß  sie  sich  in
nichts  von  den  Angestellten  irgendeines  Unternehmens  unterscheiden.
Es  ist  auch  leicht  zu  verstehen,  wie  schwierig  sich  die  Gruppierung  einer  Anzahl
Menschen  gestalten  muß,  die  die  zum  Bestehen  der  Assoziation  unbedingt  notige  Bcd
 ‘Ngung  erfüllt,  alles  das,  dessen  sie  bedarf,  vorteilhafter  herzustellen,  als  der  Markt
}‘®fern  kann;  mit  einem  Wort,  inmitten  des  großen  wirtschaftlichen  Milieus  einen
C1 üen,  fest  abgeschlossenen  selbständigen  Kreis  zu  schaffen,
r,  .  , s °gar  unter  den,  in  entfernten  Gegenden  gegründeten  Kolonien  findet  man  kein
vxspiel  einer  selbständigen,  lebensfähigen  Vollgenossenschaft.
f .  ‘)  Die  Arbeitergewinnbeteiligung  (l’actionnariat  ouvrier),  die  Briand  vorschlagt,
f ‘Ndet  sich  heute  in  dem  Programm  der  radikal-demokratischen  Partei.  Siehe  die
ctioNs  du  travail  von  Antonelli.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.