Die Urbevölkerung und ihre Wirtschaft etc. 37
Südamerika viel geübt ist). Außer einigen. Unkrautjätungen
und nötigenfalls Umzäunung als Wildschutz bedurfte das Feld
keiner weiteren Pflege bis zur Ernte. Nur in trockenen Gebieten
war unter Umständen Bewässerung nötig, die auch in vorkolum-
bischer Zeit schon ausgiebig angewandt worden ist. Da Dün-
gung — mit Ausnahme der den Wohnhäusern zunächst liegenden
Grundstücke — nur in geringem Maße (durch Gründüngung
oder Verwendung verfaulenden Holzes, wohl auch Menschen-
kot) üblich war, so blieb man vielfach auf die natürliche Frucht-
barkeit des Bodens angewiesen, sowie auf gelegentliche natür-
liche Düngungen, z. B. durch Überschwemmungen in Flußtälern
oder, in trockenen offenen Landschaften, durch Staubwolken,
die der Wind über die Felder treibt und teilweise dort absetzt.
Da nun die Fruchtbarkeit des Bodens, auch wenn derselbe jung-
fräulich ist, in den einzelnen Landesteilen sehr verschieden ist,
1) Als eine besondere Eigentümlichkeit der altmexicanischen Land-
wirtschaft müssen die schwimmenden Gärten (Chinampas) der Seen um
Tenochtitlan erwähnt werden: 100 m lange, 5—6 m breite Flöße von
Schilf, Ästen, Wurzeln und Buschgezweig, die mit 1m schwarzer Erde
bedeckt waren. Diese noch von A. v. Humboldt beschriebenen Gebilde
gibt es nicht mehr, seitdem die Katasterarbeiten der mexicanischen
Regierung begonnen wurden und zum Zweck der Erhebungen nur mehr
„feste Chinampas‘“ gestattet wurden. Diese stellt man durch Aufschichten
von Erde und Vegetation in wechselnden Lagen zwischen Signalstangen
über Untiefen her, bis ein Rasen von Lilien (Hitckornia caerulea) und
anderen Gewächsen entstanden ist. Ist die Chinampa 20—25 cm über den
Wasserspiegel heraufgewachsen, so pflanzt man an den gewünschten
Ecken „Huejotes“ (Weiden) in Abständen von 4—5m, um dem Erdreich
Halt zu geben. Vier Jahre nach Bildung der Chinampa ist die Zersetzung
der organischen Masse schon fast vollständig. Die Breite der Chinampas
ist gering (4—6 m), damit das Wasser bis zur Mitte infiltrieren kann, die
Länge sehr wechselnd: 5—100 m. Dadurch, daß diese schmalen Felder
immer wieder durch Schlamm gedüngt werden, den man mit einer Art
Netz vom Grund des anliegenden Wassers heraufholt, werden die Felder
allmählich immer höher, bleiben aber immer fruchtbar, und das Klima ist
günstig genug, daß ständig Pflanzen darauf gedeihen und keinen Monat
des Jahres Ruhe notwendig wird. Vielfach stehen schon die jungen
Pflanzen in der Erde, wenn die reifen älteren abgeerntet werden. Eine
besondere Fruchtfolge wird nicht eingehalten. Der Anbau gilt allen Arten
von Feldfrüchten und Blumen. Das Wachstum ist von großer Üppigkeit.
(Vgl. Miguel Santa Maria, Las Chinampas. Mexico 1912.)