Die „sechnlichkeit“ des Geistes und der Dinge.
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An diesem Punkt indes, der die innere Einheit des Systems
aufzuheben droht, erweist sich nunmehr von neuem Cusas phi-
losophische und dialektische Kraft. Der Begriff der Aehnlich-
keit, den er als Rüstzeug aus der scholastischen Erkenntnislehre
herübernimmt,. wird ihm, in schrittweiser Umdeutung und Ver-
tiefung, zur gedanklichen Handhabe und zum Vehikel für die
eigene Grundauflassung. Von der „similitudo“ schreitet er zur
„assimilatio“ fort: von der Behauptung einer in den Dingen vor-
handenen Aehnlichkeit, die die Grundlage ihrer Zusammenfassung
und gattungsmässigen Bezeichnung abgibt, geht er zur Darlegung
des Prozesses über, vermöge dessen der Geist einen harmoni-
schen Zusammenhang zwischen den Objekten und sich selber
erst herstellen und erschaffen muss. Jetzt erkennt das Ich die
Gegenstände nicht mehr, indem es sich ihnen anpasst und sie
nachbildet, sondern indem es sie umgekehrt nach der Aehnlich-
keit des eigenen Wesens auffasst und begreift. Wir verstehen die
Aussendinge nur insoweit, als wir in ihnen die Kategorien des
eigenen Denkens wieder zu entdecken vermögen. Alles „Messen“
der Objekte entspringt im Grunde nur dem einen Triebe des
Geistes, zum Maasse seiner selbst und seiner Kräfte zu gelangen.*)
Weil er den Punkt, die Einheit, das Jetzt in sich trägt, weil er
somit das wahre Fundament besitzt, aus dem die Linie, die
Zahl, die Zeit sich aufbauen, kann der Intellekt sich all diesen In-
halten assimilieren und sie in dieser Verähnlichung erkennen.?®)
Ein Bild und Analogon der Welt heisst er somit in dem Sinne,
dass in ihm als konzentrierter Einheit der Gehalt von alle dem
liegt, was uns in sinnlicher Erscheinung in der Welt der Dinge
entgegentritt.®) Wenn die erste Epoche von Cusas Philosophie
vor allem auf das Grundproblem des Verhältnisses zwischen Gott
und Welt gerichtet war, so ergibt sich jetzt eine veränderte
Fassung der Frage: an die Stelle der Welt tritt, um sie für die
spekulative Betrachtung zu ersetzen und zu repräsentieren, der
Begriff des Geistes. Die Seele ist im prägnanten und höch-
sten Sinne das Symbol des Schöpfers: alle anderen Dinge haben
an Gottes Wesenheit nur insoweit Teil als sie sich in ihr dar-
stellen und reflektieren. So ist der menschliche Intellekt zwar
ein Abbild des absoluten. aber ein Modell und Musterbild alles