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rapiden Zunahme der Bevölkerung Deutschlands, mit welcher das
Wachsthum an Arbeitskräften gleichen Schritt hält, wird es immer
schwieriger, alle Arbeitsangebote allezeit zu berücksichtigen. Die
Bevölkerung des deutschen Reichs wächst durchschnittlich jährlich um
eine halbe Million und es müssen schon jetzt Hunderttansende
lvegen Arbeitsmangel auf öffentliche Kosten erhalten werden. Diese
sociale Noth, das wirthschaftliche Elend, Pauperismus und Vaga-
bundenthum würde noch größer sein, wenn nicht ein beträchtlicher
Theil der überschüssigen Arbeitskräfte durch fortwährende Aus-
wanderung in Abgang käme.
Daß nämlich der Deutsche von jeher ein Zugvogel war, beruht
nur zum Theil auf seinem angeborener, Wandertriebe und seiner
Träumersehnsucht nach der poetischen Ferne. Eine große Rolle
spielt dabei, wie wir wissen, die harte Nothwendigkeit. Wenn der
karge Boden für den Bevölkerungsüberschuß keine Nahrung mehr
darbot, dann war auch in alter Zeit die Auswanderung ein bitteres
Muß; die Eulturhistoriker sind darüber einig, daß die früheren
germanischen Wanderzüge sowohl für Europa, wie auch neuerdings
für Amerika heilsame Cultnrmärsche waren, ja daß die Civili
sation der christlichen Völker ihre besten, stärksten und gesundesten
Triebe den reichlichen germanischen Impfstoffen verdankt. Wie ein
kraftvoller, edelherziger, genialer Mensch das, was er der Gesell
schaft giebt, nicht abhängig macht von dem, was er empfängt: so
hat auch der deuffche Geist nie kleinlich abgewogen, ob er das,
was er andern Völkern und Ländern gab, voll ersetzt erhielt.
Damit begann bei den Deutschen aber der berechtigte Nationalstolz
zu sinken, um einer Art Nationaldemuth Platz zu machen. Sie ist
glücklicherweise einer Wiedergeburt und Gesundung gewichen — und
nun lernen wir auch über die Auswanderung anders denken.
Denn der sociale, politische und wirthschaftliche Nutzen unserer
Auswanderung in ihrem gegenwärtigen Zustande wird durch die
enormen Verluste, welche durch dieselbe Deutschland in wirthschaft-
licher, geistiger und pekuniärer Beziehung zugefügt werden, weit