107
Reich würde wirtschaftlich ruinirt worden fein. Dem Freihaudelssyftem
entsprechend wurde auch der Einfuhrzoll für Steinkohlen
und Roheisen aufgehoben, in Folge dessen fast die Hälfte der Bergund
Hüttenarbeiter theils gänzlich entlassen werden mußte, theils
nur noch halbe Arbeit erhalten konnte.
Ein weiteres Product dieses unzeitigen Zoll- und Handelsfreiheitssystems
war die gleichfalls von Bamberger dringend empfohlene
Einführung der Goldwährung an Stelle der seitherigen
bewährten Doppelwährung, in Folge deren das deutsche Reich beim
Verkauf des größtentheils in Barren eingeschmolzenen Silbergeldcs
einen Verlust von über 71 Mill. Mark erlitt; denn das Silber
sank im Preise sehr tief herab, weil der Bedarf ein weit geringerer
geworden, dagegen in demselben Verhältnisse derjenige an Gold
und somit auch die Nachfrage darnach gestiegen war, sodaß
ein Pfund davon nur noch gegen 19 Pfund Silber eingetauscht
werden konnte, während das frühere stabile Werthsverhältniß
zwischen beiden Metallen das von 1 zu 15 1 /, war. Die Werthsverschiebung
dieser beiden vorzüglichsten Tauschmittcl mußte auch
eine Preisverschiebung bezüglich der Tauschobjeete herbeiführen und
thatsächlich ist denn auch etite solche zu Ungunsten der Landwirthschaft,
des Handels, der Industrie, der Gewerbe und des Arbeiterstandes
eingetreten.
Es haben denn auch selbst schroffe Gegner der Doppelwährung
nach und nach einsehen lernen, daß eine reine Goldwährung den
Handel und Verkehr ganz erheblich beschränkt und jede Regung ans
dem volkswirthschaftlichen Gebiete hindert, ja theilweise wirklich
untergräbt. Den überzeugendsten Beweis dafür liefert die englische
Bank, indem durch wenige Hunderttausend Pfund Gold, welche aus
ihren Kellern entnommen werden, bereits die Möglichkeit in Aussicht
gestellt ist, daß abermals eine Discontocrhöhung eintreten kann
und auch gewöhnlich erfolgt. Wenn dies schon in einem Lande,
loo die Goldwährung seit Jahrzehnten eingeführt ist und bei einem
den Weltmarkt beherrschenden Bankinstitute möglich ist, wie viel