Full text: Wissenschaftliches Arbeiten

16 Die Anfänge der seminaristischen Bildung in den alten Schulen 
verschiedensten Weisen das‘ kannte und liebte und übte, 
was wir heute als Seminarbildung bezeichnen. Das Bäum- 
chen ist zu einem großen und herrlichen Fruchtbaum ge- 
worden; aber es war nicht erst neu zu setzen, es brauchte 
nur zu wachsen und sich zu entwickeln, um in den mo- 
dernen Seminaren die reichsten Früchte zu tragen. 
Ähnliche seminaristische Übungen warden auch in anderen ge- 
Jehrten Schulen unter Leitung eines hervorragenden Mannes der Wissen- 
schaft mit großem Eifer abgehalten. So versammelte zB. der Bene- 
diktiner Benedikt (Bernardin) Bacchim (1651—1721) eine auserwählte 
Schar von Schülern in seiner Zelle zu gelehriten Arbeiten und Er- 
örterungen; manche derselben taten sich später durch ihre wissenschaft- 
lichen Arbeiten hervor (H. Hurter, Nomenclator litterarius 4? 1229). Der 
große Exeget Augustin Calmet aus demselben Orden (1672—1757) 
begann schon bald nach Übernahme des biblischen Lehrstuhles mit 
seinen Schülern praktische exegetische Übungen abzuhalten, durch die 
er selbst für seine großen Veröffentlichungen vielfache Förderung fand 
(ebd. 1418). Der Dominikaner Tommaso Vinzenzo Moniglia (1686—1767) 
hielt ähnliche praktische Privatkurse für seine Schüler aus dem Gebiet 
der Geschichte und Geographie und aus anderen Fächern (ebd. 5° 65). 
Der Franziskaner Wilhelm Smits aus Kevelaer am Niederrhein (1704 
bis 1770), der als Exeget einen großen Ruf hatte, leitete das „collegium 
philologiae sacrae“ im Kloster der Minderbrüder zu Antwerpen (ehd. 94). 
Die Beispiele für ähnliche seminaristische Einrichtungen und Bestrebnngen 
in den alten Schulen ließen sich leicht vermehren‘). 
Außer den schon genannten Schriften ist noch zu vergleichen: 
G. M. Pachtler, Die Reform unserer Gymnasien (Paderborn 1883) 
61. 85—94, 244—9. 261 f. 282; Joh. Janssen, Geschichte des deutschen 
Volkes 71 (Freiburg 1904) 97. 111—5. Zu Ernst von Sallwürcks 
Darstellung der „Entwicklung und Ausbreitung des jesuitischen Schul- 
wesens im 17. und 18. Jahrhundert“ in: Gesch. der Erziehung von 
K. A. Schmid 5, 2 (Stuttgart 1901) vgl. Hist.-pol. Blätter 129 (1902, 1) 
232—40: „Das Bildungswesen der Jesuiten seit 1600“. 
Es wäre lehrreich, dem Gebrauch des Namens „Seminar“ in seiner 
Anwendung auf derartige geistige Bildungsanstalten nachzugehen. In 
der klassischen und nachklassischen Sprache bezeichnet seminarium 
entweder eine „Pflanzschule“ (plantarium) im eigentlichen Sinne oder 
übertragen die Ursache, den Anfang, die Quelle einer Sache. Am 
nächsten kommt der späteren Bedeutung „Seminar“ der klassische Ge- 
brauch in Verbindungen wie „seminarium Catilinarium“ (Cic., Cat. 
ı) Den Hinweis auf die angeführten Beispiele verdanke ich Pro- 
fessor Hermann van Laak in Rom,
	        
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