Metadata: error

10 
I. HAUPTTBIL. 
suchen, die Deutschland vor die Aufgabe stellen, Tau 
sende vertriebene Elsaß-Lothringer in seinem verkleinerten 
Gebiet aufzunehmen. 
Am 1. August 1914 schien die deutsche Seele des 
Elsasses und Deutsch-Lothringens die Decke zu sprengen, 
die Jahrhunderte welscher Kultur über ihr aufgebaut 
hatten, um unter den Trümmern die letzten Reste fran 
zösischer Gesinnung zu begraben. So sah es nach außen 
hin aus. Aber dem wirklich eingeweihten Beobachter ent 
ging es nicht, daß die französischen Elemente im Lande 
— und sie waren nicht zu unterschätzen, da sie den Bür 
gerkreisen, der Intelligenz angehörten — zum Teil unter 
dem Druck des gewaltigen Geschehens, aus Furcht vor 
kommender Belagerung und Kämpfen sich still verhielten, 
zum Teil nach der Schweiz über die Grenze gingen. Die 
deutschgesinnte Bevölkerung allerdings — und sie bil 
dete die große Mehrheit — wurde von der nationalen 
Welle erfaßt, sie war geradezu erlöst, endlich offen ihr 
Deutschtum in Gesinnung und Tat beweisen zu können, 
das so oft angezweifelt worden war. 
Es kam der lange, 4V 4 Jahre dauernde, Nerven und 
Moral zersetzende Krieg. Die Reichslande litten neben 
Ostpreußen am stärksten unter den direkten Einwirkungen 
des Krieges. Daneben wurde bei den Elsaß-Lothringern 
durch nötige und unnötige Maßnahmen der Militärbehörden, 
die in den Reichslanden, welches Operationsgebiet war, frei 
schalten konnten, die Kriegsmüdigkeit verstärkt, wie sie 
ja auch im übrigen Deutschland durch die schlechte Er 
nährung, die unabsehbare Länge des Krieges und die 
furchtbaren Menschenopfer erwachsen war. Das war eine 
ungeheuer schwere Belastungsprobe für das zum Deutsch 
tum erst neu erwachte Elsaß-Lothringen. Man darf die 
Stimmung nicht vergessen, die im Herbst 1918 auch in 
anderen Gegenden Deutschlands herrschte, und die Ge 
danken entstehen ließ, wie den: „Laßt doch die Franzosen 
kommen, wenn es nur Friede gibt“. 
Die französische Partei in Elsaß-Lothringen war nicht 
tot. Darauf wurde schon hingewiesen. Als der Krieg für
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.