Full text : Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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3.  Deutschlands  größter  Philosoph  gelangt  in  seiner  berühmten
Lchrift  „Kritik  der  reinen  Vernunft"  zwar  zu  dem  Ergebnisse,
daß  das  Dasein  Gottes  als  ein  Object  einer  übersinnlichen
Welt  theoretisch  oder  wissenschaftlich  weder  bewiesen  noch  widerlegt ­
  werden  konnte,  weil  der  Mensch  durch  die  seiner  Erkenntniß ­
  gezogenen  Grenzen  daran  verhindert  würde;  aber,  so
führt  er  weiter  aus,  es  giebt  einen  anderen  Zugang  zu  dieser
übersinnlichen  Welt  imb  diesen  zeigt  uns  die  praktische  Vernunft; ­
  denn  der  Mensch  ist  nicht  nur  ein  erkennendes,  sondern
alici)  ein  wollendes,  ein  handelndes  Wesen;  er  hat  nicht  nur
theoretische,  sondern  auch  praktische  Vernunft  und  was  Erkennen
vergebens  erstrebte,  die  Pforten  der  übersinnlichen  Welt  zu
öffnen,  das  vermag  das  sittliche  Wollen,  geleitet  durch  das
uns  innewohnende  Sittengesetz;  denn  dieses  Gesetz  ist  ein  unbedingtes, ­
  ein  ohne  Rücksicht  auf  einen  andern  Zweck  gebietendes, ­
  das  um  seiner  selbst  willen  beobachtet  werden  will,  es
ist  ein  bestimmter  Befehl  (kategorisches  Gebot).  Sollen'wir
aber  dieses  Gebot  befolgen,  so  müssen  wir  es  auch  befolgen
können  und  dürfen  nicht  durch  eine  Naturnothwendigkeit  an
seiner  Befolgung  behindert  sein,  d.  h.  wir  müssen  frei  sein  im
Wollen.  So  ist  also  die  Freiheit  des  Willens,  die  auf  theoretischem ­
  Wege  nicht  bewiesen  werden  konnte,  durch  das  Gesetz
der  praktischen  Vernunft  sicher  gestellt.  Der  nothwendige
Gegenstand  jedes  sittlichen  Willens  oder  der  durch  den  sittlicheu
  Trieb  bestimmten  praktischen  Vernunft  ist  das  höchste
Gut  und  dieses  ist  ein  Doppeltes,  die  Tugend  oder  das  edle
Handeln  und  die  ihr  entsprechende  Glückseligkeit.  Dem  ersteren
kann  der  Mensch  durch  sich  selbst  nachstreben,  kann  wenigstens
den  Vorsatz  fassen,  sittlich  sein  zu  wollen;  die  Glückseligkeit
hingegen  hängt  von  äußeren  Umständen  ab,  denen  wir  unterworfen ­
  sind,  deshalb  muß  ein  Wesen  vorausgesetzt  werden,  das
mächtig  genug  ist,  die  Uebereinstimmung  zwischen  Sittlichkeit
oder  Tugend  und  Glückseligkeit  zu  bewirken.  Dieses  Wesen
            
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