Full text : Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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dienst  heißt,  nur  Wahn  und  Täuschung  erblickt  und  ihre  Vernichtung ­
  sogar  verdienstlich  findet,  die  individuelle  Freiheit,  die
einzig  lautere  Quelle  der  Sittlichkeit,  die  schlichte  Frömmigkeit,  die
frische  Kraft  und  die  belebende  Hoffnung  des  Gemüths  zerstört.
Wer  eine  solche  Wissenschaft  darbietet  und  verbreitet,  handelt  als
ein  Verbrecher  an  der  Menschheit  und  zwar  mit  Bewußtsein;  denn
jeder  Naturforscher,  jeder  Philosoph  sollte  wissen,  daß  Erkenntnißtheorien
  aus  Sinnesthätigkeiten  nicht  hergeleitet  werden  können,  er
muß  wissen,  daß  man  Dinge  oder  das,  was  die  Materie  ist,  nicht
zu  ergründen  vermag  und  daß  es  dem  Menschen  beim  Forschen
nach  der  Ursache  äußerstenfalls  gelingt,  Alles,  was  als  bunte  Erscheinung ­
  uns  umgiebt,  also  die  klingende,  leuchtende,  farbige,  duftende ­
  Welt  in  ihrer  ungeheuren  Mannigfaltigkeit,  in  seine  Bcwegungsformen,
  d.  h.  in  die  Formen  von  Zeit  und  Raum  aufzulösen.
Eine  Wissenschaft  aber,  die  den  Forderungen  der  Vernunft
und  der  besonnenen  Einsicht  nicht  entspricht,  welche  die  einfachen,
sittlich-religiösen  Wahrheiten  mit  den  gesicherten  Ergebnissen  unserer
naturwissenschaftlichen  und  geschichtlichen  Bildung  nicht  in  Zusammenhang, ­
  nicht  eine  Gottes-  und  Weltanschauung  zum  Ausdruck  zu
bringen,  nicht  den  Forderungen  des  Gemüths  und  des  Gewissens
gerecht  zu  werden  vermag,  ist  eben  keine  wahre  Wissenschaft,  sie
ist  nichts  weiter  als  eine  Beschäftigung  mit  Verstandsexperimcnten,
deren  Ergebnisse  dann  meist  in  Mißgebilden  bestehen.
Wir  wollen  das  Capitel  über  die  Unsterblichkeit  mit  einem
Ausspruche  unseres  Dichterfürsten  Goethe  schließen,  der  da  lautet:
„Er  möchte  nicht  des  Glücks  entbehren,  an  eine  künftige  Fortdauer
zu  glauben  und  er  müsse  alle  biejcitigcit  auch  für  dieses  Leben  für
todt  erklären,  welche  kein  anderes  hoffen."
Jetzt  noch  einige  Worte  über  Religion.  Religion  ist  das
Streben  nach  der  Erkenntniß  der  Gebote  des  höchsten  Wesens  wib
der  innere  Trieb,  diese  Gebote  d.  h.  die  Sittengcsetzc  zu  befolgen.
Die  Anlage  dazu  ist  eine  allgemeine  menschliche  und  immer  da  vorhanden, ­
  wo  das  eigenthümlich  menschliche  Wesen  wirklich  zur  Ent-
            
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