Full text: Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

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hàn beseitigt, beziehungsweise ihre Wirkungen möglichst abzu 
schwächen sucht. Diese Ursachen bestehen offenbar in der Uebcrmacht 
des Großkapitals und der Großindustrie über das Kleinkapital, das 
Kleingewerbe und die Landwirthschaft, welche nebst dem immerrnehr 
überhand nehmenden Wucherthum im Handel und an der Börse wie 
Schwämme das Kleinkapital auffaugcn, gleichsam das Kleingewerbe 
und das Klcinbesitzthum selbst allmählich wegwischen. Dazu kommt 
noch für Deutschland der stets steigende Ueberschuß von Arbeits 
kräften, erzeugt durch eine rapide Bevölkerungszunahme, sodaß schon 
jetzt ein sehr fühlbarer Arbeitsmangel vorhanden ist, in Folge dessen 
der Arbeiterbevölkerung die Gewinnung der nothwendigen Lebens 
bedürfnisse immer schwerer fällt. Die Zeitungen haben leider häufig 
Fälle zu verzeichnen, daß Arbeiter sich grober Vergehen schuldig 
machen und sich als Motiv ihrer Handlungsweise der Wunsch ent 
puppt, der Noth des Daseins durch eine Gefängnißstrafe überhoben 
zu sein. Derartige Vorkommnisse, wie sie die Gerichte festgestellt 
haben, und bisweilen sogar bei unbescholtenen und politisch indifferenten 
Arbeitern, geben zu denken und zu zeigen, daß eine directe Auf 
forderung an die heutige Gesellschaft vorhanden ist, darauf hinzu 
wirken, daß dem Arbeiter durch Reformen auf socialpolitischem Ge 
biete zu einer würdigeren Stellung vcrholfcn werde, als er unter 
den bestehenden Verhältnissen einnimmt. Es giebt nun Parlaments- 
Parteien bei uns, welche dem constatirten Elende der Massen gegen 
über nichts als Declamationen haben. Aber ihre stets declamirte 
^orge um das Wohl der ärmeren Klassen haben diese Parteien 
bisher nicht besser zu bekunden gewußt, als indem sie alle auf die 
Verbesserung des Looses der Arbeiter hinzielenden Regierungsvor 
lagen in Acht und Bann erklärt haben. Es ist eben heutigen Tages 
bereits unleugbar soweit gekommen, daß die in immer weitere 
Schichten der Bevölkerung eindringende Unzufriedenheit mit den 
jetzigen gesellschaftlichen Zuständen, die durch böswillige Agitation 
unablässig geschürt wird, bereits zu einer die gegenwärtige gesell 
schaftliche Ordnung bedrohenden socialen Bewegung angeschwollen
	        
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