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8. Vorschläge zur ^Beseitigung des socialen Nothstandes.
a. Genossenschaften.
Was nun zunächst den Arbeiterstand überhaupt betrifft, so ist
wohl eines der sichersten Mittel, die Lage desselben, mit Einschluß
der kleinen Industriellen und Handwerker, sowie der Landwirthe
allnlühlig wesentlich zu verbessern, die auf Selbsthilfe und Selbst
verwaltung beruhende Genossenschaft, d. h. eine Vereinigung des
Kapitals und der Arbeit irr einer Hand, wodurch namentlich die
arbeitende Klasse zu der besitzenden emporgehoben und einem all
gemeinen Wohlstände näher gerückt wird. Auch bringt die Genossen
schaft eine wirkliche Gemeinschaft der Betheiligten zu Stande, eine
Brüderlichkeit im guten Sinn, macht die Einzelnen selbständiger,
nur abhängig von beni Ganzen; stellt ihn gegen die Ungunst der
in seiner Vereinzelung ihm drohenden mißlichen Lage sicherer als
selbst in einer Assecuranz. Durch die Genossenschaft ist dem Mangel
an Intelligenz und Kapital leichter als auf anderem Wege abzu
helfen, weil in ihr die Kräfte einander ergänzen. Sie macht rück
sichtlich des Kapitals den Arbeiter als Genossenschafter durch die
Gesammtbürgschaft der Genossenschaft kreditfähiger, während dem
einzelnen Gewerbtreibenden der Kredit meist versagt oder nur unter
höchst ungünstigen, seinen Arbeitsverdienst schmälernden Bedingungen
zu Theil wird, überdies die Verwerthung seiner Arbeitskraft, das
einzige Mittel, seinen Gläubigern gerecht zu werden, von so vielen
Zufälligkeiten abhängt, auf welche der Arbeiter keinen Einfluß hat,
und die sich jeder Controle der Gläubiger entziehen und demselben
keine Garantie bieten können, weshalb sie zum Kreditgeben wenig
geneigt zu sein pflegen. Wenn dagegen sich größere Gruppen von
Arbeitern und Gewerbetreibenden verbinden, und der Ausfall, den
die Gläubiger etwa bei dem Einzelnen erleiden könnten, durch Ein
stehen Aller für Einen und Einer für Alle, also von der Gesammt
heit übernommen wird, so wird die Vertheilung des Ausfalles auf
Viele von den Einzelnen weniger lästig empfunden.