fullscreen: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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(22) 1838 Febr, 10 
ich nahe dran bin, im weichlichen Tone zu fallen, und ich will heute un: 
barmherzig sein. 
Auch Klagen Deiner Geschwister habe ich nachzutragen. Kaum sieht 
man in Deinen Briefen, daß Du deren hast; und die gute Sophie, die für 
Dich und J[enn]y so viel gelitten und Dir so überschwenglich ergeben 
ist, Du denkst ihrer nicht, wenn Du sie nicht bedarfst. 
Deine Anweisung von 160 Taler habe ich [ge]zahlt. Ich kann sie 
nicht oder kaum auf das alte akademische Jahr imputieren, denn das hat 
wahrlich seine volle Last. Und für das künftige will ich doch viele der- 
gleichen nicht erwarten. — 
In diesem Augenblicke hierher zu kommen, wäre Unsinn! Ich weiß 
zwar, daß Du Dir wenig aus Vorlesungen machst — wahrscheinlich doch 
bezahlst — aber ich will wenigstens das decorum beobachten. Ich bin 
gewiß kein Sklave der Meinung, aber ich liebe auch nicht, daß auf meine 
Kosten geklatscht werde. Zu den Osterferien — auch 14 Tag früher, so 7 
pedantisch bin ich nicht — komm, und trotz meines gegenwärtigen Epi- 
stels kannst Du versichert Lsein], daß ich Dich mit offenen Armen 
empfange und ein väterliches Herz Dir entgegenschlägt, das eigentlich nur 
an Überreiz kränkelt. Dein Vater 
Marx, 
22. Der Vater an Marx in Berlin mit Nachschrift 
der Mutter und der Schwester Sophie; Trier 1838 
Februar 10 
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin 
Lieber Karl! 
Es sind jetzt bereits zwei Monate, daß ich das Zimmer hüte und das 
Bett während einen Monat, und so kam es, daß ich Dir nicht schrieb. 
Heute will ich einige Stunden aufbleiben und versuchen, wie weit ich es 
im Schreiben bringe. Es geht zwar etwas zitternd, doch geht’s, nur werde z« 
ich allerdings etwas kürzer sein müssen, als ich sollte und wünschte. 
Als ich Dir einen etwas derben Brief schrieb, war freilich die 
Stimmung, in der ich mich befand, mit in Rechnung zu bringen, doch 
diese Stimmung erfand nicht, chargieren mochte sie allerdings, 
Über jede einzelne Klage mich wieder in Abhandlungen einzulassen, 3: 
dazu bin ich jetzt am wenigsten fähig, und überhaupt mag ich es in der 
Kunst, abstrakt zu räsonnieren, mit Dir nicht aufnehmen, da ich vor 
allem alsdann die Terminologie studieren müßte, bevor ich nur gar in 
das Heiligtum eindringen könnte, und dazu bin ich zu alt. 
Recht gut, wenn Dein Gewissen mit Deiner Philosophie sich be- 
scheiden einigt und verträgt, — 
Nur in einem Punkte wollte freilich alles Transzendente nicht hinweg- 
helfen, und da hast du sehr klugerweise gut gefunden, ein vornehmes 
Schweigen zu beobachten, ich meine das lumpige Geld, dessen Wert für 
Trier, den 10. Febr. 1838.
	        
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