Weitere Kämpfe geg. Frankreich; Wiener Kongreß; Heil. Allianz. 485
keit der Energie, die Fähigkeit äußerster Anstrengung des
Nervensystems schien ihn verlassen zu haben. Langsamer als
nötig vereinigte er sich mit dem Heere Neys und zog dann
auf der Brüsseler Straße gegen Wellington heran. Wellington
hatte sein Heer südlich von Waterloo aufgestellt; in einer weiten
Linie von 5000 Fuß Länge, mit einem detachierten Korps von
18000 Mann zum Schutze des rechten Flügels, während er die
Sicherung des linken Flügels durch den Anmarsch der Preußen
erwarten durfte. Es war das letzte Mal, daß die alte Taktik
des 18. Jahrhunderts, wenn auch nach sehr umgemodelter
Form, in erfolgreicher Weise zur Anwendung gelangte. Der
breiten Front dieser Truppen gegenüber entfaltete Napoleon
um die Mittagsstunde erst des 18. Juni, nach heftigem Regen—
gusse, von Süden her, von Belle Alliance aus, seine durch die
Strapazen der letzten Tage vielfach mitgenommene Truppen—
macht. Die Schlacht verlief in zäh und zäher wiederholten
Versuchen Neys, der an des Kaisers Stelle anordnete, die
Mitte der Schlachtordnung des Gegners zu durchbrechen;
jeder Fußbreit Landes in dieser Mitte wurde bestritten und
sah den flüchtigen Fuß bald des einen, bald des anderen der
Streitenden; bis allmählich dennoch der Widerstand der Eng—
länder, die sich in starker Minderheit befanden, ermattete. In
diesem Augenblicke nahte endlich die preußische Hilfe. Es war
die Errettung in höchster Not. Vergebens wurden auf franzö⸗
sischer Seite die letzten Bataillone der Garden eingesetzt; schließ⸗
lich wandte sich alles zu kopfloser Flucht. Und nun erst
traten die preußischen Kräfte noch einmal in rechte Wirkung.
Erbarmungslos nahm Gneisenau mit seinen Truppen die Ver⸗
folgung auf; am Morgen des Tages nach der Schlacht lagerte
er schon zweiundeinhalb Meilen südlich des Schlachtfeldes;
nichts hatte von den Cadres des französischen Heeres sich zu⸗
sammengehalten und sich zu retten vermocht; Napoleon selbst,
damals nur unter äußersten Schmerzen imstande zu reiten, hatte
die Truppen verlassen und war nur mit genauer Not der Ge⸗
fangennahme entgangen: sein Hut und Degen fielen in die
Hände der Preußen.