Full text: Die Zucker-Industrie auf Cuba

Flagge dieselben Rechte eingeräumt, welche der spanischen zustehen und 
man darf danach eine nachhaltige Steigerung des Verkehrs zwischen der 
Insel und den Vereinigten Staaien voraussetzen. Wahrscheinlich wird sich 
diese Verbindung beider Länder nicht auf den Austausch von Waaren be 
schränken, sondern mehr und mehr die Ueberführung von Capitalien und 
unternehmungslustigen Männern zur Folge haben. 
Dem entspricht auch die stetige Zunahme der amerikanischen Flagge 
im cubanischen Schiffsverkehr. Eine Uebersicht über letzteren in seiner 
Gesammtheit zu geben, erwies sich wegen völlig unzureichender Nachrichten 
als unausführbar. Für die Schiffseingänge in den Hafen von Havana 
während der Jahre 1864 bis 1884 liegt eine Nachweisung bei, welche die 
Betheiligung der wichtigsten Flaggen zeigt. Früher war Havana mehr 
als jetzt der Mittelpunkt der überseeischen Handelsbeziehungen der Insel. 
Zwar die Ausfuhr von Zucker hat nicht nur nicht nachgelassen, sondern 
sich noch mehr dorthin gezogen. Die Eisenbahnverbindungen haben über 
haupt manche Aenderungen herbeigeführt. Erzeugnisse aus dem Bezirke 
von Santa Clara, die früher nach San Jago gingen, werden jetzt nach 
Cardenas gebracht, weil sie neben der Eisenbahnbeförderung dorthin, auch 
billigere Seefracht nach Nordamerika haben. Aus gleichem Grunde kommen 
jetzt viele Erzeugnisse aus betn Bezirke von Cienfuegos nach Havana. Die 
Tabelle über die Zuckerausfuhr läßt erkennen, daß die nördlichen, für den 
Verkehr nach Amerika günstig gelegenen drei Häfen Havana, Matanzas 
und Cardenas jetzt den Löwenantheil an der Ausfuhr haben. Anders 
steht es mit der Ausfuhr von Bergwerks-Produkten und Holz, tvelche frei 
lich an Bedeutung mit der des Zuckers vorerst sich nicht messen kann. 
Natürlich haben die Häfen von Matanzas und Cardenas bei steigender 
Ausfuhr auch an der Einfuhr einen größeren Antheil erlangt. Die süd 
lichen Plätze, namentlich auch Cienfuegos mit seinem trefflichen Hafen, sind 
für den Verkehr mit Central- und Südamerika mehr in den Vordergrund 
getreten. Die fremden Importeure behaupten deshalb, daß ihnen dadurch 
das Geschäft sehr erschwert sei; früher genügte ihnen die Kenntniß der 
Havana und die Verbindung mit diesem Platze; jetzt müßten sie sich mit 
der ganzen Insel befassen. Aus Cienfuegos wird bereits im Jahre 1877 
berichtet, es hätten sich drei Dansiffschiffs-Gesellschaften gebildet: eine unter- 
spanischer Flagge zur Verbindung nach Honduras, eine desgleichen für die 
Fahrt nach Liverpool; eine dritte unter amerikanischer Flagge für die Fahrt 
nach New-Jork; die beiden ersteren hätten Fahrzeuge von 800 bis 1000, 
die dritte von 1000 bis 1500 Tonnen Tragfähigkeit. Im Jahre 1880 
kamen nach Cienfuegos 45 Dampfer mit 56 299 Tonnen Tragfähigkeit, dar 
unter 33 Spanier mit 28 003 und 12 Amerikaner mit 28296 Tonnen Trag 
fähigkeit; im Jahre 1883 schon 78 Dampfer mit 101 614 Tonnen Tragfähig 
keit, worunter 45 Spanier und 14 Amerikaner. Noch beträchtlicher ist der
	        
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