Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

erlangen.  Ihre  Lage  erklärt  zur  Genüge  die  herzliche  Zuneigung,  welche
die  Bewohner  der  Vereinigten  Staaten  von  Nordamerika  seit  Jahren  für  die
Insel  hegen  und  gelegentlich  in  sehr  drastischer  Weise  zu  erkennen  gegeben ­
  haben.  Der  östliche  Theil  der  Insel  hat  zu  Nachbarn  im  Süden  die
den  Engländern  gehörige  Insel  Jamaica,  und  im  Osten  die  Insel  Hayti,
welche  in  zwei  Freistaaten,  Hayti  und  Domingo,  getheilt  ist.
Lage  und  Gestaltung  der  Insel  lassen  sie  von  vornherein  als  außerordentlich ­
  günstig  für  den  Handel  und  für  die  Cultur  erscheinen  Ihre
weitausgedehnten  Küsten  gestatten  an  zahlreichen  Stellen  den  Zugang  der
Wasserfahrzeuge;  ihrer  Lage  mitten  im  Meere  verdankt  sie  eine  Abkühlung
der  tropischen  Hitze  durch  die  Seewinde.  Allerdings  sind  im  Norden  wie
im  Süden  ans  lange  Strecken  hin  ihrer  Küste  zahlreiche  flehte  Korallen-Jnseln
  und  Riffe  vorgestreut,  welche  unbewohnt  und  unbewohnbar  der
Schiffahrt  Hindernisse  bereiten.  Selbst  die  größte  dieser  Inseln,  die  sogenannte ­
  isla  de  Pinos  (Fichteninsel)  im  Südwesten  von  Ctlba,  hat  für  Handel
und  Anbau  gar  keine  Bedeutung.
Ueber  die  Größe  imb  Bevölkerung  von  Cuba  sind  die  Angaben
schwankend  und  augenscheinlich  wenig  zuverlässig.  Einschließlich  der  vorerwähnten
  Jnselchen  wird  der  Flächeninhalt  cuts  rund  119000  qkm  oder
2386  Ol  Meilen  beziffert,  für  die  Hauptinsel  Cuba  allein  nahezu  113000  qkm
oder  2280  Ol  Meilen;  von  anderen  auf  rund  118000  qkm  oder  2158  Ol  Meilen.
Sie  übertrifft  danach  an  Größe  die  Königreiche  Bayern  und  Württemberg
mit  dem  Großherzogthum  Baden  zusammen,  welche  wenig  mehr  als
110000  qkm  Flächeninhalt  haben.  Die  Längenausdehnung  der  Insel
beträgt  bis  zu  1200  km  in  der  Richtung  von  Osten  nach  Westen;  ihre
Breite  in  der  Richtung  von  Norden  nach  Süden  schwankt  zwischen  38  und
190  km.  Die  schmälste  Stelle  befindet  sich  im  Westen  zwischen  Havana
und  Bayamo,  die  breiteste  ani  östlichen  Ende  der  Insel.
Die  Seelenzahl  hat  im  Lauf  der  Jahre  anscheinend  nicht  unerheblich
geschwankt.  In  Ermangelung  zuverlässiger  Nachrichten  lassen  sich  bestimmte
Zahlen  kaum  festhalten.  Langjährige  Unruhen  sowie  periodische  Zufuhr
von  arbeitender  Bevölkerung  ergaben  für  verschiedene  Jahre  verschiedene
Schätzungen.  Unterschieden  wird  dabei  zwischen  den  weißen  Bewohnern,
den  freien  Farbigen  und  den  Sklaven.  Die  Beschaffenheit  des  Landes
bedingt  das  Zusammendrängen  der  Bewohner  in  einzelne  Gegenden  mit
lebhafterem  Verkehr:  dort  darf  die  Bevölkerung  als  ziemlich  dichte  bezeichnet
werden.  Im  Innern  und  besonders  im  hohen  Gebirge  sind  weite  Strecken
nur  wenig  bewohnt,  zur  Zeit  511111  Theil  auch  wohl  unbewohnbar.  Die
encyclopaedia  britannica  (Edinburg  1877)  giebt  die  gestimmte  Volkszahl
für  das  Jahr  1860  auf  1  179715  Köpfe  an,  darunter  604610  Weiße,
207735  freie  Farbige  und  367  370  Sklaven.  Andererseits  wird  für  das
Jahr  1862  als  cm  ziemlich  zutreffendes  Ergebniß  stattgefundener  Zählungen
            
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