Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

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geführt  und  verbreitete  sich  von  hier  aus  sehr  schnell  über  die  anderen  Antillen, ­
  einschließlich  Cubas,  und  über  die  Nächstliegenden  amerikanischen  Küsten.
Wenngleich  größere  Rohrpflanzungen  ans  Cuba  bereits  aus  dem  Jahre  1589
erwähnt  werden,  so  hat  die  Cultur  des  Zuckerrohrs  dort  sehr  lange  Zeit
keinesweges  die  Ausdehnung  gewonnen,  wie  auf  den  anderen  Inseln.  Erst
als  vor  hundert  Jahren  in  Folge  der  Revolution  französische  Flüchtlinge
aus  Domingo  nach  Cuba  übersiedelten,  wurde  derselben  größere  Aufmerksamkeit ­
  zugewendet,  und  mit  Hilfe  der  oou  den  neuen  Ansiedlern  mitgebrachten ­
  Erfahrungen  und  Geldmittel  der  Keim  zu  ihrem  schnellen  Wachsthum ­
  gelegt.  Nicht  unwesentlich  trug  dazu  die  Zerstörung  der  Pflanzungen ­
  auf  Domingo  bei,  wodurch  die  Zuckerpreise  eine  sehr  beträchtliche
Steigerung  erfuhren.  Zugleich  wurden  die  Bemühungen  der  französischen
Flüchtlinge  von  der  spanischen  Negierung  durch  mancherlei  Erleichterungen
und  Begünstigungen  unterstützt.
Der  östlich  von  Havana  belegene  Landstrich,  dessen  Hauptplah  jetzt  Matanzas ­
  ist,  wird  von  zahlreichen  Hügelketten  durchzogen,  deren  zerklüfteter  dürrer
Kalkboden,  früher  mit  Wald  bedeckt,  sich  zu  keiner  Cultur  geeignet  erwies,  weil
das  Wasser  nach  den  tiefer  gelegenen  Gegenden  durchsickerte.  Zwischen  diesen
Hügelketten  und  der  schroff  abfallenden  Seeküste  zieht  sich  ein  welliger  Landstrich
hin,  dessen  mit  Lehm  stark  gemischter  Boden  vornehmlich  zu  Kaffee-  und  Zuckerpflanzungen
  geeignet  befunden  wurde,  nach  dem  Verschwinden  der  ersteren,
fast  ganz  für  die  letzteren  ausgenutzt  wird.  Hier  ist  zur  Zeit  der  Hauptsitz
  der  Rohrzuckerindnstrie:  dieselbe  wird  außerdem  auch  im  Südosten  der
Insel  in  ausgedehntem  Umfange,  ans  deren  übrigen  Theilen  weniger  stark
betrieben.
Die  Zahl  der  Pflanzungen  und  den  oou  ihnen  eingenommenen
Flächeninhalt  anzugeben,  ist  in  Ermangelung  einer  Statistik  des  Bodens
nicht  möglich.  Die  sonst  vorhandenen  Angaben  bieten  keinen  richtigen
Anhalt  dafür.  In  den  letzteren  scheint  auch  die  Bedeutung  des  Wortes
Pflanzung  nicht  immer  in  gleichem  Sinne  aufgefaßt  zu  sein.  Ueberdies
hat  Zahl  und  Umfang  der  Pflanzungen  in  den  Jahren  des  Aufstandes
und  nachher  unter  den  betrübenden  Wirkungen  desselben,  sehr  gewechselt.
Für  das  Jahr  1843  werden  1174,  für  1856  1442  Zuckerpflanzungen  angegeben. ­
  Aus  San  Jago  de  Cuba  wurde  im  Jahre  1873  berichtet:  man
habe  im  dortigen  Bezirke  nach  amtlicher  Ermittelung  im  Jahre  1868
rund  2450  Pflanzungen  gezählt,  von  denen  inzwischen  1780  durch  die  Insurgenten ­
  niedergebrannt  und  von  den  Eigenthümern  verlassen  seien;  zugleich
wird  die  Besorgniß  ausgesprochen,  daß  nach  der  dermaligen  Ernte  von
1872/73  noch  Andere  ihre  Arbeiten  einstellen,  und  ihre  Neger  verkaufen
oder  vermiethen  werden;  in  dem  Central-  und  Oriental-Bezirke  stehe  es
ähnlich.  Bestätigt  wird  dies  durch  einen  Bericht  aus  Trinidad  de  Cuba
vom  Jahre  1876,  wonach  jährlich  Pflanzungen  von  ihren  Inhabern  auf-
            
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