Object: Die Nationalökonomie in Frankreich

60 
Die liberale Schule 
lieber Polemik gewürzte Darlegung der klassischen Lehre in der 
orthodoxen Fassung, welche ihm geläufig ist. Er stellt sie 
unter der prätentiösen Aufschrift „Der gegenwärtige Stand der 
Wissenschaft“ vor. Dann folgt jeweils in kleinerm Druck eine 
Übersicht der Anschauungen zahlreicher Nationalökonomen der 
verschiedensten Länder, welche zu dem betreffenden Gegenstand 
Stellung genommen haben. Diese sind dabei weder chrono 
logisch, noch nach Schulen, sondern nach Nationalitäten oder 
richtiger nach Sprachen geordnet. Die deutschen historischen 
Nationalökonomen nimmt Block besonders aufs Korn. Dabei 
ist seine immer wiederkehrende Schlußfolgerung, seit Adam 
Smith seien die Fortschritte der Wissenschaft herzlich geringe 
gewesen. 
„Der Grundbestand der Wissenschaft ist wesentlich un 
verändert geblieben," meint Block; „die meisten der alten 
Dogmen haben allen Anstürmen widerstanden. Hat man z. B. 
je gesehen, daß das Prinzip des kleinsten Mittels eine Aus 
nahme erlitten hätte ?*) Die menschliche Natur ist seit 3—4000 
Jahren unverändert geblieben. Von einer Evolution in der 
Menschheitsgeschichte zu reden, ist genau so unzulässig, wie 
die etwaige Änderung eines Zollsatzes eine Evolution zu 
nennen 2 ). Daß aber die menschlichen Dinge dem Wechsel 
unterworfen sind, hat man lange vor der historischen National 
ökonomie gewußt“ 3 ). 
Mit Rossi unterscheidet Block eine reine und eine an 
gewandte Volkswirtschaftslehre; Co urcell e-Seneuil und Cher 
bul iez gegenüber betont er, die angewandte Nationalökonomie 
habe sich nicht allein mit der wirtschaftspolitischen Gesetz 
gebung, sondern auch mit allen sittlichen, politischen, geogra 
phischen und historischen Einflüssen auf das Wirtschaftsleben, 
die nicht in der Gesetzgebung zum Ausdruck kommen, zu be 
fassen 4 ). 
Sein Verhältnis zur historischen Schule präzisiert Block 
wie folgt: „Möge die historische Schule immerhin in wirtschaft- 
0 M. Block, Les Progrès de la Science Economique, 2. Aud., 1897, 
Bd. I, p. 2, 3, 288. 
2 ) ibid. p. 259, 264. 
3 ) ibid. p. 259 ff. 
4 ) ibid. p. 9.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.