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10. Kap. Die verschiedenen Zweige der Konsumtion.
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wo das Baumaterial im Ueberflusse und in der Nähe vorhanden ist, wie das
wit dem Bauholz im Mittelalter der Fall war und in gewissen Gegenden
Amerikas noch immer der Fall ist, auf ein Minimum reduciren. Die Be
rechnung dieser Kosten ist oftmals schwierig. Wenn die Leute in ihren eigenen
Behausungen wohnen, sind jährlich nur die Ausgaben für die Steuern und
Umlagen sowie für die Erhaltung und die Reparaturen als Auslagen für
Wohnung in Rechnung zu setzen, und bedeutende Aufwendungen erweisen sich
uur von Zeit zu Zeit erforderlich. Falls die Wohnung als Arbeitsstätte dient,
muß six auch zum Theil zum Kapital des Besitzers und nur zum Theil den zum
unmittelbaren persönlichen Genuß dienenden Objecten zugezählt werden. Leichter
lst die Berechnung, wenn die Menschen in gemietheten Wohnungen leben.
Die Unterschiede, welche die Behausungen je nach dem Wandel der Zeiten,
kr Länder und des Klimas sowie mit Rücksicht auf die verschiedenen Grade
Geschicklichkeit im Bauen, des religiösen Sinnes, des Reichthums und des
^tandesunterschiedes und weiter auch mit Rücksicht auf die Beschaffenheit des
erkehrslebens und der Beschäftigung der verschiedenen Menschen, auf die
krhältniffe des Familienlebens, auf Religion und Sittlichkeit aufweisen, sind
geradezu endlos und sind eines der wichtigsten Objecte, mit denen sich die
ulturgeschjchte zu befassen hat. Zum Theil sind sie allerdings ganz über
fallend die Folgen und nur in geringem Grade die Ursache der culturellen
utwicklungsstufe, auf der ein Volk steht.
^o geben die ausgedehnten Palazzi und Hotels der großen und reichen
Familien des Italiens der Vorzeit und Altfrankreichs davon Kunde, daß sie
^tammfamilien bewohnt wurden, und auch heutzutage verkünden diese Ge-
. au ^ e zum Theil das immer noch. Dagegen deuten die kleinen Kinderzimmer
! n Modernen französischen Miethhäusern darauf, daß man das Vorhanden
en einer geringen Kinderzahl voraussetzt. Aber in beiden Fällen ist die
kschaffenheit der Wohnung nicht die Ursache, sondern die Wirkung bestehender
ì krhältniffe. Ebenso verhält es sich einerseits mit den großen für Herrschaft
^ Dienerschaft gemeinschaftlichen Speisesälen in den alten Schlössern und
ļļ n ererseits mit der Absonderung der für die letztere bestimmten Räume von
on Gemächern der Herrschaft, wie sie in den eleganten Wohnungen der
^bazeit üblich ist. Diese Verschiedenheit der Einrichtung zeigt an, in welchem
kade das zwischen Herrn und Diener bestehende Verhältniß in der frühern
ein anderes war, als es sich in der Gegenwart gestaltet hat, ist aber
y Abnahme der Vertraulichkeit zwischen Herrschaften und Dienstboten
urchaus nicht der ausschlaggebende Grund. Auch die in der mohammedanischen
^ b t bestehende Absonderung der für die Frauen bestimmten Wohnräume von
kNlenigen der Männer ist gleichfalls nichts anderes als ein Resultat herrschender
Gchaullngen und
ntten.