Full text: Die Zucker-Industrie auf Cuba

Ferner wird wiederholt in Berichten bemerkt, die Preise für Zucker 
ließen noch Nutzen oder ließen keinen Nutzen. Es fehlt aber an einer Er 
klärung darüber, ob dabei die Verwerthung aller Produkte, also namentlich 
auch der Melasse und des Rums in Ansatz gebracht ist. 
Aus San Jago de Cuba wurde für 1884 berichtet, daß die Preise 
binnen kürzester Frist um 1V» doll. (6 Mk.) sanken; durchschnittlich gaben 
Centrifugals orni 95—96%, etwa Nr. 10/13 entsprechend, nicht mehr als 
2% doll. (11 Mk.) für 100 Pfund span, (oder 46 kg); das sei erheblich 
weniger als die Selbstkosten: d. h. die Selbstkosten für solche Zucker- 
gehen über 24 Mark für den Doppel-Centner hinaus. 
Ein anderer Bericht über die Campagne von 1884/85 giebt folgendes 
an. Bei Beginn dieser Campagne betrugen die Herstellungskosten des 
Zuckers — (ohne nähere Angabe der Sorte oder dergl.) - für die arroba 
etnia 5 Realen oder 21,74 Mark für 100 kg; das sei verhültnißmüßig hoch, 
trotzdem alle Anzeichen für ein Sinken der Preise sprächen. Zu möglichst 
billigem Betriebe gezwungen sei es den Pflanzern jetzt (im December 1885 
ist der Bericht erstattet) gelungen, die Selbstkosten auf 4 Realen (d. h. auf 
17,4 Mk. für 100 kg) zu ermäßigen. 
Vom Februar 1885 brachte Havana weekly report eine Schätzung 
des Werthes eines Fasses Muskovado - Zuckers zu 1500 //. span, netto bei 
einem Preise von 3*/ 4 Realen per Arroba auf 24,37 doll. (97,48 Mk.) oder 
13,50 Mk. für 100 kg; andrerseits die Herstellungskosten mit Fracht und 
Lagergeld in Havana auf 25,50 doll. (102,0 Mk.), also nahezu 14,80 Mk. für 
100 kg; danach habe der Pflanzer einen Verlust von 1,13 doll, oder 
4,52 Mark an jedem Faß. Hinzugefügt wird, daß nach Angabe der Makler 
der derzeitige Preisunterschied zwischen Muskovado und Centrifugals ge 
ringer sei als je zuvor, nämlich nur '/2 bis 1 Real. Danach wären Cen 
trifugals damals höchstens mit 4'/4 Realen per Arroba abgegeben, d. I mit 
rund 18% Mark für den Doppel-Centner. 
Für das Jahr 1886 wird aus San Jago berichtet, eine nicht un 
günstig gelegene Zuckerpflauzuug könne 100 //. krystaüisirten Zucker von 
96% zum Preise von 2% bis 2% doll. Gold frei Hafenplatz (also San 
Jago oder Guantanamo) liefern und mache dabei noch Nutzen. Das 
wären Preise von 19,9 bis 21,74 Mark für 100 kg, wobei zu beachten, daß 
die Seefracht von San Jago nach Nordamerika höher steht als die von 
Havana oder Matanzas dorthin, der Zuckerpreis daselbst also sich niedriger 
stellen muß. 
Andere Berichte aus 1886 führen an, daß den Colonen das gelieferte 
Rohr mit 4 arroben Zucker für 100 arroben Rohr bezahlt wurde, also bei 
einem Zuckerpreise von 5 Realen mit 2'^ doll, (10 Mark), voir 6 Realen 
mit 3 doll. (12 Mark). Da die durchschnittliche Ausbeute in Cuba auf 7% 
geschätzt wird, so bleiben dem Fabrikbesitzer für sich 3 arroben Zucker zum
	        
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