Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Die Steuerkritik ist es auch gewesen, welche einen Yau- 
ban %u ökonomischen Beobachtungen und Untersuchungen ver 
anlasst hat. Dieser etwas ältere Zeitgenosse Boisguilleberts 
hatte die entscheidenden Schriften des letzteren bereits vor sich 
liegen, als er sein Buch über den allgemeinen Zehnten (Dîme 
royale) abfasste. Dies geschah 1698, während die Veröffent 
lichung erst 1707 erfolgte. Der loyale Mann, der Ludwig XIV 
einen grossen Dienst zu leisten glaubte, sah sich in Folge die 
ser Schrift alle Anerkennung entzogen, die ihm ein Leben 
voll Hingebung und geschichtlich bedeutender Thätigkeit in 
einer andern Richtung erworben hatte. Er, dessen Verdienste 
um das Festungswesen und die Kriegs Wissenschaft so gross, 
waren, dass man ihm im Hinblick auf dieselben sogar seine 
Ehrlichkeit, Freimüthigkeit und Humanität verzieh, musste nun 
erfahren, dass ein redlich gemeintes Wort über die Zustände 
nicht zu seinem Amt gehörte. Tief gekränkt starb er nach 
kurzer Frist, Seine Arbeit aber wird ungeachtet ihrer Fehler 
ein wichtiges Denkmal bleiben, aus welchem sich zuverlässiger 
als aus Boisguilleberts Schriften einige Züge der thatsächlichen 
Zustände entnehmen lassen. Er hatte die Dinge mit den Augen 
eines ruhigen und fest einherschreitenden Mannes gesehen. 
Die Gereiztheit und sanguinische Beweglichkeit Boisguilleberts 
war ihm fremd. Der Erfinder so mancher Mittel der Ingenieur 
kunst, der seine Fähigkeiten vor so vielen Festungen erprobt 
hatte, sah auch auf das ökonomische Schlachtfeld seiner Zeit 
mit dem entschlossenen Blick eines Mannes, der den im 
testen Umfang und nach allen Richtungen festgestellten Be 
schaffenheiten des Terrains gerecht werden will. Ist nun auch 
sein Mittel nur unvollkommen ausgefallen, so haben doch seine 
Beobachtungen einen bedeutenden Werth. Sein Vorschlag, das 
Steuersystem durch eine Zehntabgabe beinahe zu erschöpfen 
und zu ersetzen, ist freilich von wenig Erheblichkeit. Jedoch 
war in diesen nach allen Richtungen verallgemeinerten, zum 
Thoil in Natura, zum Theil in Geld zu erhebenden 5 bis 10 
Procent des Ertrages auch eine eigentliche Einkommensteuer 
mit eingesohlossen. Die Naivetät, mit der er die Steuerbe- 
freiungen durchgängig beseitigt und „die grossen un 
liehen Perrücken” nicht vergessen wissen wollte, war nicht die 
jenige der Unschuld im finanziellen Wissen, sondern eine solche, 
wie sie oft der tiefsten Brkenntniss der Corruption und dem
	        
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