Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

142

specifisch  Englischen  oder,  wie  man  sie  auch  nennen  könnte,
der  Neubrittischen  Oekonomie,  und  zwar  ganz  besonders  einem
Malthus  an.
Die  Smithsche  Leistung  verhält  sich  zu  ihren  Englischen
Verunstaltungen  in  einer  Weise,  für  welche  sich  in  dem  Schicksal ­
  der  Deutschen  Philosophie  ein  Gegenstück  findet.  Sieht
man  nämlich  davon  ab,  dass  die  Nationalökonomie  eine  junge,
aufstrebende  Wissensrichtung  vertritt,  in  welcher  auch  die  Entartungen ­
  nicht  ganz  kläglich  ausfallen  konnten,  so  ist  das  Verhältniss
  eines  Kant  zu  dem,  was  seinen  Leistungen  folgte,
demjenigen  eines  Smith  zu  seinen  Englischen  Epigonen  sehr
ähnlich.  Auch  erklärt  sich  die  Erscheinung  in  beiden  Eällon
aus  den  Einflüssen  der  allgemeinen  Restaurationssignatur,  welche
für  die  Europäische  Welt  unmittelbar  mit  der  Revolution  als
Reactionserscheinung  eintrat.  Eines  darf  jedoch  hoi  dieser
Parallele  als  wesentlicher  Unterschied  nicht  vergessen  worden.
Die  Arbeiten  der  Englischen  Oekonomen  sind  wenigstens  lesbar ­
  und,  wie  im  Palle  Ricardos,  bisweilen  auch  in  einer  gewissen ­
  Art  scharfsinnig,  —  eine  Eigenschaft,  die  sich  bei  dem
philosophischen  Gegenstück  nur  ein  einziges  Mal,  nämlich  im
Palle  Schopenhauers,  und  auch  da  nur  mit  grosser  Beschränkung ­
  rühmen  lässt.  Wir  wollen  also  die  Malthus  und  Ricardo
keineswegs  auf  das  Niveau  herabziehen,  auf  welchem  sich  im
Rahmen  des  Gegenstücks  die  Schelling,  Hegel  und  Herhart
befunden  haben.  Allein  die  ganz  allgemeine  Beziehung  zu  den
beiden  grossen  Urhebern  der  Anregungen  sowie  die  Vermischung
der  neuem  und  freieren  Standpunkte  mit  den  verjährten  Ueberlieferungen
  wird  sich  auf  die  Dauer  nicht  bestreiten  lassen.
Der  Englischen  Oekonomie  ist  aber  auch  im  Irrthum  in  ihrer
Art  eine  höhere  Originalität  eigen  gewesen,  als  den  epigonenhaften ­
  und  Tychonistischen  Erscheinungen  der  Deutschen  Philosophie. ­
  Auch  in  der  positiven  Gemeinschaft  der  Schwächen
zwischen  den  Urhebern  und  ihren  Nachfolgern  trifft  die  Vergleichung ­
  zu.  Es  ist  nämlich  beiderseits  nicht  zu  verkennen,
dass  eine  grössere  Energie  und  Bcstimrptheit  der  Ansichten
bei  den  ursprünglich  die  Entwicklung  anregenden  zwei  Persönlichkeiten ­
  manchen  Thorheiten  vorgebougt  haben  würde,  die
man  nunmehr  indirect  auf  Rechnung  von  Smith  und  Kant
setzen  muss.  Doch  ist  nicht  zu  vergessen,  dass  die  Philosophie
im  engem  Sinne  auch  in  dieser  Beziehung  die  ungünstigere
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.