155
er dem Kaufmann nicht, die Konsumenten auszubeuten. Um
einen hohen Profit zu erhalten, muß der Kaufmann mit aus
wärtigen Waren handeln oder einheimische nach dem Ausland
bringen, um sie dort weit über ihrem Wert verkaufen zu können.
Die Geschichte der Preisbewegung gestattet leider nicht, die
Änderungen in den Preisen der Handwerker- und Kustarerzeug-
nisse festzustellen. Nur wenige Angaben können wir hier an
führen.
Es ist bekannt, daß die Umwandlung des Handwerks in
Kustarbetriebe am frühesten im Tuchgewerbe vor sich gegangen
war. Es wurde schon erwähnt, daß diese Umwandlung schon
im Mittelalter stattgefunden hatte.*) Schon zu dieser Zeit wird
das Tuch nach den entferntesten Märkten gebracht. Nun mußte
dieser Prozeß dazu führen, daß die Tuchpreise sanken: die
Zwischenhändler, die bei Kustari das Tuch abnahmen, konn
ten es auch billiger verkaufen als die Handwerker, da die
Zwischenhändler das Tuch unter seinem Arbeitswert erhielten.
Und in der Tat sehen wir, daß die Tuchpreise noch lange vor
der Einführung neuer technischer Verbesserungen relativ sinken,
obgleich die Wollpreise gleichzeitig steigen. So waren die
Preise:**)
Frankreich
1451/1500 1501/25 1551/75 1601/25 1651/1675
Tuch III. Qualität . 100 108 137 95 70
Gesamtdurchschnitt 100 136 174 189 227
Münster
1501/20 1521/50 1551/60 1603/52 1653/1720
Tuch 94 93 92 — —
Gesamtdurchschnitt 97 123 148 — —
England
1501/20 1511/50 1551/60 1603/52 1653/1720
Tuch 113 106 134 (105) (121)
Gesamtdurchschnitt 101 105 159 223 356
( '1%*) Schon unter Karl dem Großen hat der Tuchhandel einen großen
Umfang angenommen. Siehe Dschivigelew, Der Handel in Westeuropa
(russ.). S. Pet. 1904. S. 25.
**) G. Wiebe, Zur Geschichte der Preisrevolution im 16. bis 17. Jahrh.,
1895. S. 379—386.