Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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weniger an. Dagegen haben wir unabhängig von der besondern 
Gestaltung des Werks noch verschiedene wichtige Grundzüge 
in der Gedankenhaltung seines Urhebers sichtbar zu machen. 
Zunächst sind die Vorstellungen von den Verrichtungen 
der edlen Metalle als Geld und von der Bedeutungslosigkeit 
dei absoluten Menge derselben noch einseitiger und unzutrellen- 
der als bei Hume. Die bei Gelegenheit der Bekämpfung des 
Mercantilsystems (Buch 4 Cap. 1) geäusserte Meinung, man 
würde sich bei plötzlichem Verschwinden der edlen Metalle 
durch ein Umrechnungssystem helfen können, zeugt davon, 
dass Adam Smith von der Unentbehrlichkeit derselben keine 
Ahnung hatte und sich einer Vorstellung hingab, derzufolgo 
man den Verkehr nöthigenfalls rein auf Papier und Credit 
gründen könnte. Letzteres ist allerdings missbräuchlicher weise 
in einem gewissen Maass, aber stets nur im Hinblick auf wirk 
liche oder wenigstens mögliche Beziehungen zum Metallsystem 
und nie ausser in einem geschichtlichen und geographischen 
Zusammenhang mit der weiteren Sphäre des Metallgeldes denk 
bar. Die vollständige Loslösung dos Goldes von einer realen 
Giundlage, die selbst als Zahlungsmittel fungiren und in der 
entwickelteren Civilisation nur in Silber und Gold bestehen 
kann, würde etwas Widersinniges sein, indem man nicht ein 
mal angeben könnte, was die Zettel vorstellen sollten. Wenn 
nun auch Adam Smith sonst in der theoretischen Kennzeichnung 
des Bankwesens und besonders der Banknoten nicht im Ent 
ferntesten daran denkt, das Metall für vollständig entbehrlich 
zu erklären, so hat sich doch die Unsicherheit seines Denkens 
über das Wesen oder vielmehr Unwesen des Creditgeldes in 
jener merkwürdigen Stelle verrathon. Ferner ist die Smithscho 
Ansicht, dass die motallnen Umlaufsmittel ein todtes Capital 
bilden, nur als extreme Gegenregung gegen die mercantile 
üeberschätzung begreiflich. Es ist ein starker Fehlgriff, die 
Nützlichkeit des Geldes als Mittel für die Ermöglichung 
der Austauschungen fast ganz zu verkennen und die subtilsten 
Verrichtungen im Mechanismus des Verkehrs so anzusehen, 
als wenn von ihnen so gut wie nichts geleistet würde, was 
sich nicht auch auf andere Art bewerkstelligen liesse. Dieser 
Irrthum war jedoch nicht original; denn wir haben ihn schon 
mehrfach angetroften, und auch im Griechischen Alterthum 
hatte er sich bereits in das oberffächlicho Denken eingeschlichen.
	        
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