Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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Renten, die immer grösser werden. Die Eigenthümer des 
Bodens erster Classe sehen ihre Rente ohne ihr Zuthim stets 
in dem Maasse vermehrt, in welchem sich die Bevölkerung auf 
immer ungünstigere Naturchancen der NahrungsheschalFung an 
gewiesen findet. Ebenso verhält es sich mit allen andern Grund- 
eigenthümern, nur mit dem Unterschiede, dass sie ihre Renten 
geschichtlich erst später datiren dürfen, und dass sie oder viel 
mehr ihre Vorgänger noch nicht gleichviole Zusätze der Rente 
zu registriron gehabt haben. Der letzte Mann ist in dieser 
Abfolge der am wenigsten begünstigte; denn seine Rente ist Null, 
und er befindet sich in dieser Beziehung heute in derselben 
Lage, als wie am ersten Tage dieser Rentenschöpfung der erste 
Mann, Der Ricardosche Rentenmythus ist, wie man sieht, eine 
Dichtung, die uns aus dem Paradiese der Bodenfruchtbarkeit 
nicht mit einem Male, sondern fort und fort vertreibt und ge 
treu den Iraditionen ihres Dichters die Menschheit mit einem 
ewigen, immer drückender werdenden Eluch belastet. 
3. Kehren wir jcdocJi von dem allgemeinen Charakter der 
zu Grunde liegenden Ideen zu den besondern Gestaltungen 
zurück, die in die Gegenwart gehörten, und für welche Ricardo 
einzig und allein einen gewissen Blick hatte. Auf diese Weise 
können wir jene Constructionen unbehelligt lassen, die sichtbar 
genug nur die ücbersetzung von naheliegenden Reflexionen in 
geschichtliche 1 hantasien gewesen sind. Die Existenz von 
Eruchtbarkeitsunterschieden, wie sie uns in der Gegenwart vor 
liegt und zu jederzeit vorhanden ist, muss ihre ökonomischen 
Eolgen haben. Die Erago ist nur die, worin diese Eolgen be 
stehen, und ob dieselben zu irgend etwas führen, was auch nur 
einen Theil der Ricardoschen Vorstellung von einer besondern 
Rente zu unterstützen vermag. 
Die verschiedene Ergiebigkeit, die auf der Gunst der Natur 
verhältnisse beruht, wird unter übrigens gleichen Umständen 
ehi Vortheil für alle diejenigen sein, welche ihre Kräfte in 
dieser lohnenderen Richtung anwenden können. Allein es sind 
erstens die übrigen Umstände, die als gleich vorausgesetzt wor 
den, thatsächlich so abweichend gestaltet und ausserdem so 
sein in eister Einie entscheidend, dass man sie in einem wahren 
System an die Spitze zu stellen und die von Natur vorhandene 
h 1 uchtbdikeit höchstens in zweiter Linie zu berücksichtigen 
hat. Zweitens würde aber auch ein Vortheil, der etwa aus den
	        
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