Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

210 
äusseiiiclie Vereinigung von Vielerlei möglich machte, was hoi 
tieferem Nachdenken und strengeren Schlüssen eine gegen 
seitige Einschränkung erfordert haben würde. Derartige Ein 
schränkungen liegen oft nahe genug, und man wird nicht so 
fort alles verschieden Lautende auch für einen inncrn Wider 
spruch zu erklären haben. In dem besondcrn jetzt fraglichen 
Fall ergiebt sich auch eine gewisse Berichtigung sehr leicht; 
indessen die tiefem Schwierigkeiten liegen wirklich in einer 
Richtung, für welche die Smithsche Betrachtungsart noch kein 
Verständniss hatte. Unmittelbar nach dom ersten Erscheinen 
des Völkerreichthums hatte sich Humo in einem Brief an 
Smith über das Buch ausgesprochen und auch bezüglich der 
Rente eine Bemerkung fallen lassen, die man neuerlich als 
eine Vorwognahme der wahren Rententheorio angesehen hat. 
Der grosse Schottische Denker war aber, wie aus der Haltung 
und Ausdrucksweiso des Briefs horvorgeht, nicht im Mindesten 
der Meinung, eine sehr erhebliche Einsicht mitzutheilen. Offen 
bar glaubte er nur eine selbstverständliche Gegenbemerkung 
zu machen. Ja man fühlt sogar aus diesem Schreiben heraus, 
dass er der Ansicht ist, Smith habe sich einen greifbaren 
principiellen Fehler zu Schulden kommen lassen. „Ich kann 
mir nicht denken”, schreibt er unterm 1. April 1776, „dass die 
Rente (rent of farms) einen Thoil vom Preise des Erzeugnisses 
ausmache; aber wohl, dass der Preis ganz und gar durch Menge 
und Nachfrage bestimmt werde.” (Burton, Life and correspon 
dence of David Hume, 1846, Bd. II S. 486). Man sieht, 
dass die angeführte Stelle den Ton auf das Gesetz von Angebot 
und Nachfrage legt und übrigens nichts weiter thut, als die 
Vorstellung abweist, der Preis werde durch die Rente hestimint. 
Die angegebenen wirklichen Worte bilden Alles, was Humo 
über diesen Punkt äusserto. Auch war er nicht gewohnt, 
lange Auseinandersetzungen über Dinge anzustellen, die auf der 
Hand lagen und jedem Gutsbesitzer klar werden mussten, so 
bald er in dieser Richtung ein wenig zu überlegen anfing. 
Man erhält nicht hohe Preise, weil man eine grosso Rente in 
Rechnung bringt; sondern man realisirt diese Rente, weil die 
Preise günstig sind. Dies ist der einfache Sinn der Humoschen 
Stelle und jedenfalls auch diejenige Vorstellung, die in den 
betheiligten Gesellschaftsgruppen gehegt wurde, soweit es dort 
überhaupt zu derartigen Reflexionen kam. Für einen Denker
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.