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äusseiiiclie Vereinigung von Vielerlei möglich machte, was hoi
tieferem Nachdenken und strengeren Schlüssen eine gegen
seitige Einschränkung erfordert haben würde. Derartige Ein
schränkungen liegen oft nahe genug, und man wird nicht so
fort alles verschieden Lautende auch für einen inncrn Wider
spruch zu erklären haben. In dem besondcrn jetzt fraglichen
Fall ergiebt sich auch eine gewisse Berichtigung sehr leicht;
indessen die tiefem Schwierigkeiten liegen wirklich in einer
Richtung, für welche die Smithsche Betrachtungsart noch kein
Verständniss hatte. Unmittelbar nach dom ersten Erscheinen
des Völkerreichthums hatte sich Humo in einem Brief an
Smith über das Buch ausgesprochen und auch bezüglich der
Rente eine Bemerkung fallen lassen, die man neuerlich als
eine Vorwognahme der wahren Rententheorio angesehen hat.
Der grosse Schottische Denker war aber, wie aus der Haltung
und Ausdrucksweiso des Briefs horvorgeht, nicht im Mindesten
der Meinung, eine sehr erhebliche Einsicht mitzutheilen. Offen
bar glaubte er nur eine selbstverständliche Gegenbemerkung
zu machen. Ja man fühlt sogar aus diesem Schreiben heraus,
dass er der Ansicht ist, Smith habe sich einen greifbaren
principiellen Fehler zu Schulden kommen lassen. „Ich kann
mir nicht denken”, schreibt er unterm 1. April 1776, „dass die
Rente (rent of farms) einen Thoil vom Preise des Erzeugnisses
ausmache; aber wohl, dass der Preis ganz und gar durch Menge
und Nachfrage bestimmt werde.” (Burton, Life and correspon
dence of David Hume, 1846, Bd. II S. 486). Man sieht,
dass die angeführte Stelle den Ton auf das Gesetz von Angebot
und Nachfrage legt und übrigens nichts weiter thut, als die
Vorstellung abweist, der Preis werde durch die Rente hestimint.
Die angegebenen wirklichen Worte bilden Alles, was Humo
über diesen Punkt äusserto. Auch war er nicht gewohnt,
lange Auseinandersetzungen über Dinge anzustellen, die auf der
Hand lagen und jedem Gutsbesitzer klar werden mussten, so
bald er in dieser Richtung ein wenig zu überlegen anfing.
Man erhält nicht hohe Preise, weil man eine grosso Rente in
Rechnung bringt; sondern man realisirt diese Rente, weil die
Preise günstig sind. Dies ist der einfache Sinn der Humoschen
Stelle und jedenfalls auch diejenige Vorstellung, die in den
betheiligten Gesellschaftsgruppen gehegt wurde, soweit es dort
überhaupt zu derartigen Reflexionen kam. Für einen Denker