Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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gehörig einschräiikt. Auch bei Ricardo sind die Veränderungen 
und verschiedenen Gestaltungen des gewohnheitsmässigen TJn- 
terhaltsminiinum nicht ganz vergessen; aber dieselben treten 
so sehr in den Hintergrund, dass die thatsächlicho AulFassungs- 
art nicht blos einseitig, sondern fehlerhaft wird. Nach Ricardo 
kann es in den Löhnen eigentlich keine bleibende Veränderung 
geben. Für die Niveauänderungen des Lohnsatzes und der 
Lebensweise fehlt es an jeder Theorie. Es ist wiederum nur der 
Blick auf das Gegenwärtige und Naheliegende, der liier leitend 
gewesen ist. Steigen gelegentlich einmal die Löhne, so sollen 
sie durch die wachsende Bevölkerung und das vermehrte 
Arbeiterangebot wieder zum Sinken gebracht werden. Hie echt 
Maltlmsianische Consequonz hätte aber eigentlich noch weit 
mehr ergeben müssen; ihr zufolge müsste eine Tendenz vor 
handen sein, die Lebensweise des Proletariers immer mehr 
herabzudrücken. Merkwürdigerweise hat hier Ricardo die bei 
Smith erwähnte, aber auch zugleich berichtigte Voraussetzung 
gemacht, dass in dem Unterhaltsminimum nichts weiter einge 
schlossen sei, als was grade zur Fortpflanzung der Gattung 
und zwar ohne Vermehrung der Zahl ausreiche. Hienach wäre 
die Beständigkeit der Volkszahl in den Arbeiterkreisen die 
Regel. Jedes Paar würde nur dafür sorgen, dass einst ein 
neues an seine Stelle träte. In jeder Familie würden zwei 
Kinder gross werden müssen, oder es hätten sich, auch abge 
sehen von der Familienordnung und unmöglichen Gleichmässig- 
keit, die Verhältnisse so zu gestalten, dass für Jeden eine 
Ersatzperson und nicht mehr einträte. Dies wäre aber ein bei 
einem Stauungszustand angelangtes Proletariat. Nun lassen sich 
aus der falschen Smithschen Capitaltheorie allerdings Einwen 
dungen machen; indessen würden die Widersprüche hiomit 
nicht beseitigt. Man tritt ins Bodenlose, wenn man cs ver 
sucht, mit Ricardo nach strenger Logik zu rechten und ernst 
lich zwei Gedanken aneinander zu bringen, die für ihn nur in 
ihrer Vereinzelung vorhanden waren. An allen Verworrenhei 
ten dieser Art trägt, abgesehen von der falschen Tendenz der 
verherrlichten Malthusschen Grundvorstellung, grade derjenige 
Versuch einen grossen Thcil der Schuld, welcher noch die 
meiste Wissenschaftlichkeit für sich hat. Es ist dies die Un 
ternehmung, die Arbeit als Naturalleistung zum Werthmaass 
aller Erzeugnisse zu machen. Auch diese Theorie, die in
	        
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