214 —-
gehörig einschräiikt. Auch bei Ricardo sind die Veränderungen
und verschiedenen Gestaltungen des gewohnheitsmässigen TJn-
terhaltsminiinum nicht ganz vergessen; aber dieselben treten
so sehr in den Hintergrund, dass die thatsächlicho AulFassungs-
art nicht blos einseitig, sondern fehlerhaft wird. Nach Ricardo
kann es in den Löhnen eigentlich keine bleibende Veränderung
geben. Für die Niveauänderungen des Lohnsatzes und der
Lebensweise fehlt es an jeder Theorie. Es ist wiederum nur der
Blick auf das Gegenwärtige und Naheliegende, der liier leitend
gewesen ist. Steigen gelegentlich einmal die Löhne, so sollen
sie durch die wachsende Bevölkerung und das vermehrte
Arbeiterangebot wieder zum Sinken gebracht werden. Hie echt
Maltlmsianische Consequonz hätte aber eigentlich noch weit
mehr ergeben müssen; ihr zufolge müsste eine Tendenz vor
handen sein, die Lebensweise des Proletariers immer mehr
herabzudrücken. Merkwürdigerweise hat hier Ricardo die bei
Smith erwähnte, aber auch zugleich berichtigte Voraussetzung
gemacht, dass in dem Unterhaltsminimum nichts weiter einge
schlossen sei, als was grade zur Fortpflanzung der Gattung
und zwar ohne Vermehrung der Zahl ausreiche. Hienach wäre
die Beständigkeit der Volkszahl in den Arbeiterkreisen die
Regel. Jedes Paar würde nur dafür sorgen, dass einst ein
neues an seine Stelle träte. In jeder Familie würden zwei
Kinder gross werden müssen, oder es hätten sich, auch abge
sehen von der Familienordnung und unmöglichen Gleichmässig-
keit, die Verhältnisse so zu gestalten, dass für Jeden eine
Ersatzperson und nicht mehr einträte. Dies wäre aber ein bei
einem Stauungszustand angelangtes Proletariat. Nun lassen sich
aus der falschen Smithschen Capitaltheorie allerdings Einwen
dungen machen; indessen würden die Widersprüche hiomit
nicht beseitigt. Man tritt ins Bodenlose, wenn man cs ver
sucht, mit Ricardo nach strenger Logik zu rechten und ernst
lich zwei Gedanken aneinander zu bringen, die für ihn nur in
ihrer Vereinzelung vorhanden waren. An allen Verworrenhei
ten dieser Art trägt, abgesehen von der falschen Tendenz der
verherrlichten Malthusschen Grundvorstellung, grade derjenige
Versuch einen grossen Thcil der Schuld, welcher noch die
meiste Wissenschaftlichkeit für sich hat. Es ist dies die Un
ternehmung, die Arbeit als Naturalleistung zum Werthmaass
aller Erzeugnisse zu machen. Auch diese Theorie, die in