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Erwin Respondek,
einer Zeit der loseren Gesetzes- und Wirtschaftsordnungen weit rück
sichtsloser und gewissenloser als in friedlichen Tagen.
Nun steht andererseits dem verminderten Angebot eine erhöhte
Nachfrage gegenüber. Nicht allein der Krieg als der „größte Konsument
und größte Verbraucher“ 1 ) zieht gewaltige Mengen an sich, sondern
auch die Bedürfnisse der hinter der Front Lebenden sind gewachsen.
Sie zu befriedigen, erfordert einen großen Aufwand von Kraft und Ma
terialien, vor allem eine stete Erneuerung dieser beiden Elemente, da
die Armeen große Verschwender von Munition und Waffen sind, Mensch
und Vieh im Felde Kleidung, überreichliche Ernährung u. a. m. not
wendig brauchen. Volkswirtschaftlich gedacht, durchaus nicht zu pro
duktiven Zwecken verwandt und damit durch die reine Konsumtion von
großem Einfluß auf Vorrat, Produktion und letzten Endes dann auf den
Preis.
Dies dürften in erster Linie die preissteigernden Faktoren sein,
die dem Konsumenten die notwendigen Güter verteuern.
Von erheblicher Bedeutung ist ein Hinweis des Präsidenten
der Handelskammer von Marseille, der noch einen anderen preis
steigernden Faktor ins Feld führt. Er schildert vor der „Societe d'Eco-
nomie politique de Paris“ die vielen Schwierigkeiten, die er zu über
winden hatte, um Marseille mit dem notwendigen Getreide zu versehen * 2 ).
Seine Untersuchungen und praktischen Erfahrungen, die er hierbei
machte, ließen ihn pu dem Urteil gelangen, daß die unberechtigte Aus
schaltung des berechtigten Zwischenhandels, mit eine der bedeutsamsten
Ursachen für die augenblickliche Teuerung sei. Er fand mit seinen Aus
führungen Beifall und sein Urteil erfuhr allseitige Zustimmung 3 ).
Als sekundäre Ursache kann die Vermehrung der Banknoten ange
sehen werden. Die stete Emission ist, wie bereits ausgeführt, die Folge
einer ununterbrochenen Inanspruchnahme der Notenbank durch den
Staat zur Finanzierung des Krieges. Alle Güter für Heer und Flotte
zahlt der Staat mit Banknoten. Er gibt also Papiergeld und empfängt
effektive Güter. Güter für die Ernährung, Kleidung der Mannschaften,
Munition, Waffen, Pferde, Wagen, Automobile, usf., kurz alles das,
was zur Führung des Krieges gehört. Den Gegenwert für diese tausend
fachen Kriegsbedarfsgegenstände kann der Staat vorläufig nur in An
weisungen auf die Zukunft, in Noten liefern. Im Augenblick sollen
also hier zweifellos diese Noten effektive Leistungen des Staates dar
stellen und erster Ersatz der von den Privatwirtschaftenden hingegebenen
') Plengc, Krieg und Volkswirtschaft. München 1914. S. 40 ff.
2 ) L’Economiste Franpais 1916, S. 136.
3 ) Es ist dies ein um so interessanteres und beachtenswerteres Eingeständnis, als
gerade die kriegswirtschaftlichen Entwicklungen ein von Schär schon früher generell aus
gesprochenes Urteil über den legitimen Handel vollkommen bestätigen. Schär vertritt
die Ansicht, daß der Handel ein unumgänglich notwendiges Glied im Wirtschaftsleben
ist, aber seine Daseinsberechtigung nur finden kann und darf, wenn er nützliche
Dienste leistet. Das Gleiche gilt für den Zwischenhandel. (Handelsbetriebslehre Teil I,
S. 214 ff und Der soziale Handel. Berlin 1916.)