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entschiedensten Spiritisten und Verehrer der Klopfgeister. Je
doch soll er sich, wie Herr W. L. Sargant in seinem biogra
phischen Werk (R. Owen and bis social philosophy, London 1860)
berichtet, noch ein Jahr vor seinem Tode sehr entschieden
gegen die bestehenden Religionen ausgesprochen haben. Hierin
liegt nicht der mindeste Widerspruch, sondern einerseits die
Ue herein Stimmung mit dem Amerikanischen, die alten Reli
gionen bekämpfenden Spiritismus, und andererseits die natür
lichste Consequenz des früher von Owen eingenommenen Stand
punkts. Er hatte Priesterschaft und Theologie stets befehdet,
aber keineswegs seine eignen religiösen Vorstellungen sonder
lich geklärt oder das Religionselement unabhängig von einer
kirchlichen Organisation und ausserhalb des Kreises bestimmterer
Dogmen zur Untersuchung gezogen. Hiezu wäre auch sein
schon im Punkte der Moral so rohes Denken nicht im Stande
gewesen, und so erklärt cs sich, dass er in Rücksicht auf die
religiösen Atícete einem im Allgemeinen ähnlichen, in der bc-
sondern Gestaltung aber noch schlimmeren Schicksal anheim-
tiel, als andere und weit bedeutendere Persönlichkeiten vor
ihm. Sein äusserst hohes Alter, verbunden mit der besondern
Schwäche seiner früheren Vorstellungsarten, mag es übrigens
vollständig erklären, dass er zu dem höchsten Gipfelnder
Illusion gelangte und echt spiritistisch sich Geister verschie
dener Personen kommen licss. Natürlich gab er auch hier
seine alte Liebe zu den Personen von hohem Range nicht
auf, und wenn auch einmal andere Grössen, wie ein Byron,
Rede stehen mussten, so interessirten sie sich doch stets für
die neue moralische Welt und die neue Gesellschaft. Owen
hat übiigens selbst nicht verfehlt, die mit Hülfe seines Geister
reichs erzielten Offenbarungen für die neue Socialtheorie mit-
zutheilen. In diesen Publicationen lässt er die Geister selbst
sprechen und seine eigne Autorität hinter diese Competenzen
zuiücktreten. Auch hat er ausdrücklich erklärt, dass an dem
Misslingen seiner socialen Versuche der Mangel des von ihm
übersehenen spiritualistischen Elements Schuld gewesen sei.
Nebenbei bemerkt, schrieb sein Sohn R. D. Owen, der eine
Zeit lang Gesandter der Vereinigten Staaten in Neapel war,
zur Vertheidigung des Spiritismus ein halbgelehrtes, sich mit
Erkenntnissmethoden und gelegentlich mit possierlichen Wider
legungen David Humes befassendes Buch unter dem bezeichnen-