Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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beitslobn formulirt zu Laben glaubte, auf seinen Grabstein 
setzen zu lassen. Der spätere Theil seines Lebens ist von 
dieser Idee beherrscht worden. Im Jahre 1848 hat Thünen 
auf seinem Gute eine Betheiligung seiner Arbeiter am Gewinn 
eingeführt; doch erwähnen wir diese familicnvätcrlicho' Fiir- 
sorge nur zur Kennzeichnung seines äusserst guten Willens, 
legen ihr aber nicht die mindeste theoretische oder sociale Be 
deutung bei. Die socialistischen Ideenströmungen hatten schon 
früh auf nnsern landwirthschaltlich nationalökonomischen Den 
ker und Beobachter eingewirkt, und seine gemüthlich redliclio 
Auffassung der Dinge, die durch eine iu gleichem Geiste an 
geeignete, sich noch am meisten an die schwächeren Seiten Kants 
anlehnende Philosophie gefärbt wurde, hatte ihn veranlasst, 
sich über die Zukunft der Arbeit wohlwollende und dem So 
cialismus vielfach entsprechende Vorstellungen zu bilden. Sein 
Gerechtigkeitssinn hinderte ihn, die guten Gründe der socia- 
listischen Antriebe zu verkennen, und schon in einem 1820 
geschriebenen (im erwähnten 2. Theil 1850 herausgegebenen) 
Aufsatz „über das Loos der Arbeiter, ein Traum ernsten In 
halts”, hat er sich unvcrholcn genug auf die Seite der Arbeit 
gestellt. Die Eingangsworte dieses für die Gesinnung und in 
manchen Beziehungen auch für den richtigen Blick erheblichen 
Schriftstücks könnten noch heute als Bezeichnung eines Haupt 
punktes der socialen Frage gelten. Sie lauten: „Es ist ein 
grosses Hebel, dass in allen Staaten, selbst in denen mit re 
präsentativen Verfassungen, die zahlreichste Classe der Staats 
bürger, nämlich die der gemeinen Handarbeiter, gar nicht ver 
treten ist. Unverhältnissmässig hoch ist die Belohnung jedes 
Industrieunternehmers (z. B. des Fabricanten, des Pächters und 
selbst des blossen Administrators) im Vergleich mit dem Lohn 
des Handarbeiters.” Thatsächlich ist heute Jene Vertretung 
nur erst in sehr geringen Anfängen vorhanden, und ein Thü 
nen, der in den Bemerkungen, die er 1850 jenem Aufsatz 
hinzufügte, an den Zustand nach einem abermaligen Viertel- 
Jahrhundert in richtigem Vorgefühl erinnerte, würde heute nicht 
anstehen, die Denkweise und die Forderungen unseres kriti 
schen Socialismus gelten zu lassen. 
Dennoch darf man sich nicht vorstollen, dass ein Thünen 
thatsächlich und wesentlich über den Standpunkt des wohlwol 
lenden Gefühls erheblich hinausgekommen sei. Seine Empfin-
	        
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