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werth war nicht geeignet gewesen, über jenes Vorurtheil liin-
wegzuhelfen. Allerdings hatte sich schon hei Ricardo eine
Unterscheidung eingefunden, welche dahin zielte, die Einsicht
in den Gegensatz von Nutzen und Kosten ernstlicher anzu
bahnen. Allein erst bei List findet sich die fundamentale Idee,
dass der productive Erfolg, wenn man ihn an sich selbst nach
Maassgabe der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse veran
schlagt, von dem Aufwande an Werthen oder überhaupt von
dem W er the unabhängig sei, der bei der Erzielung jenes Er
folges für Ueberwindung der Hindernisse in Rechnung kam.
Das Listsche Beispiel von den zwei Landwirthen, die ihre Mittel
bei der Erziehung ihrer Söhne nach ganz verschiedenen Grund
sätzen und Richtungen anwenden, ist freilich nicht viel mehr
als ein zur Vergleichung dienendes Bild. Der eine spart in
kurzsichtiger Weise und vermehrt seine Werthe, indem er
seine Söhne nach der alten Art aufwachsen lässt und auch
übrigens bei der hergebrachten Routine in der beschränktesten
Weise verbleiht. Der andere logt einen Theil seiner Mittel in
der Beschaffung von Einsicht und Tüchtigkeit zur rationelleren
Bewirthschaftung an und erhöht auf diese Weise die ökono
mische Macht seiner Nachfolger. Seine Söhne werden nach
der Listschen Voraussetzung zwar zunächst diejenigen Werthe
nicht besitzen, welche für ihre Ausbildung zu rationellen Land
wirthen aufgewendet werden mussten. Allein sie werden an
productiver Kraft unvergleichlich mehr gewonnen haben, und
es wird, sobald sie diese neue ökonomische Macht ins Spiel
setzen, auch an den Werthen nicht fehlen. Nebenbei hatte
unser Nationalökonom in diesem Falle auch noch die produc
tiven Wirkungen vor Augen, welche die Erfindungen und
überhaupt alle geistigen Functionen, namentlich aber der Unter
richt, haben müssten. Indessen ist diese Seite seiner Idee die
schwächere, indem er den Rahmen der materiellen Production
mit Unrecht verlässt und einem A. Smith grade da einen Vor
wurf macht, wo ein Vorzug in der gehörigen Abgrenzung vor
liegt. Trotzdem ist aber nicht zu verkennen, dass die ökono
mische Macht im Sinne der productiven Kraft durch die
eigentlich wirthschaftlichen Erfindungen gewaltig gesteigert
wird, während die aufzuwendenden Werthe im Verhältniss zum
Erfolg sinken. Der letztere Gesichtspunkt bildet eine charak
teristische Eigenschaft des Careyschen Systems, und wir wer-